Burn Dich aus!

Der Spruch „Burn Dich aus!“ stammt aus dem Lied „Bück Dich hoch!“ von der Gruppe Deichkind. Deichkind beschreibt in dem Lied den Wahnsinn der Leistungsgesellschaft.

In der Psychologie unterscheiden wir zwischen 2 Polen der menschlichen Existenz, – dem Aspekt der Leistung und dem Aspekt des Seins. Die Differenzierung und Ausrichtung beginnt schon in der Kindheit. Es gibt Kinder, die werden um ihrer selbstwillen geliebt, – müssen also für die bedingungslose Liebe ihrer Eltern nichts tun. Und dann gibt es Kinder, die nur Liebe und Zuwendung bekommen, wenn sie die gewünschten Leistungen bringen. Die seinsorientierten Kinder wachsen in einer gewissen Freiheit und Fülle auf, in der sie sich frei entfalten können. Die leistungsorientierten Kinder müssen sich ständig beweisen, ständig um Liebe und Wertschätzung kämpfen, um weiterzukommen. Sie leben eher im Mangelbewusstsein und „Kämpfen“ bestimmt ihr Leben. Von diesen „Kämpfern“ wird unsere konsumorientierte Gesellschaft bestimmt. Leistung um jeden Preis. Karriere um jeden Preis. Konsum und Geld an erster Stelle. Und warum? Um den Mangel an unbedingter Liebe, an Selbstliebe zu kompensieren.

Extreme waren schon immer ungesund. Das Leben findet in der Mitte statt. So ist es natürlich auch sinnvoll Kindern eine unbedingte Liebe zu vermitteln, damit sie sich bestmöglich entfalten können, aber ihnen auch klarzumachen, dass man im Leben Leistungen bringen muss, wenn man gewisse Ziele erreichen will oder Wünsche realisieren möchte. Nun ist dies leider die Ausnahme und Eltern lehren ihre Kinder oft so, wie sie es selbst erfahren haben. So ist es kein Wunder, dass in der modernen Gesellschaft eine gewisse Lieblosigkeit bzw. Rücksichtslosigkeit herrscht und alle nur dem Leistungsideal folgen.

Das Leistungsideal wird den Kinder ja schon im Kindergarten vermittelt. Kinder sollen so früh wie möglich besondere Fähigkeiten erwerben, damit sie im Konkurrenzkampf vorne liegen. Mindestens eine Fremdsprache, dazu Sport, Tanzen, Musikunterricht, etc. und das schon im Kindergarten und in der Grundschule. So geht das dann weiter und wehe die Kinder entpuppen sich nicht als die immer leistungswilligen Genies, die ihre Eltern gerne in ihnen sehen würden. Dann gibt es keine Zuwendung mehr, sondern Strafe. Wenn die Eltern Pech haben, dann widersetzen sich die Kinder mit der Zeit vollständig dem Leistungsideal und verweigern sich auch schulischen Leistungen, was dann u. U. in Hartz IV endet. Andere Kinder folgen aber dem Leistungsideal und gleichen ihre Überforderung mit Kiffen oder Komasaufen am Wochenende aus. Nach dem Abi geht es dann direkt ins Studium, wo die guten alten Zeit auch schon lange vorbei sind und ein immenser Leistungsdruck allbeherrschend ist. Mittlerweile besorgen sich viele Studenten schon alle möglichen Formen von Stimmungsaufhellern und „Dopingmitteln“, um ihre Leistungsfähigkeit hochzuhalten. Wer das Studium überlebt hat, stürzt sich dann ins unbezahlte Praktikum oder in die Probezeit. Da heißt es dann wieder sein Bestes geben, um möglichst weiterzukommen. Ja und dann geht es mit der sogenannten Karriere los, die faktisch kaum noch machbar ist, weil es nahezu keine echten Hierarchien in den Firmen gibt – Stichwort Leanmanagement. Tatsächlich arbeiten die meisten Menschen nur noch daran ihren Job zu behalten, um Haus, Kinder, etc. weiter finanzieren zu können. Dauerstress, Überforderung, gesundheitliche Probleme, mangelnder Ausgleich und das dauerhafte Leistungshoch inklusive Überstunden sorgen dann dafür, dass viele ihr Rentenalter gar nicht erst erreichen und vorzeitig mit Herzinfarkt oder ähnlichem aus dem Leben scheiden. So spart sich der Staat dann die Ausgaben für die Rente.

Wenn man sich das trendige und weitverbreitete Burnout Syndrom anschaut, dann kann man feststellen, dass es wunderbar in den Wahnsinn der modernen Leistungsgesellschaft passt. Getrieben vom Leistungsideal und all den Ängsten nicht genügend Leistung zu bringen und damit als Versager zu gelten, starten viele Berufsanfänger als regelrechte „Brenner“, – hochmotiviert, immer bereit volle Leistung zu bringen, eigene Bedürfnisse ignorierend und für Überstunden immer zu haben. Sie laufen regelrecht auf Hochtouren wie ein Rennpferd im Wettkampf. Doch irgendwann sind die Batterien leer. Nach der idealistischen Begeisterung für den Job oder das Projekt kommt die Frustation, weil die Idealvorstellungen nicht der Realität entsprechen. Dann kommt die Desillusionierung, die Ernüchterung und mit ihr die Abgestumpftheit und Teilnahmslosigkeit, weil man ja eh nichts bewirken oder verändern kann und die erwartete Wertschätzung oder Belohnung ausbleibt. Natürlich geht auch die Leistungsfähigkeit runter, Fehler stellen sich ein, erste Depressionen kommen und vielleicht hat man schon seine ersten psychischen Probleme. Vielleicht wird man auch aggressiv und überlegt, wie man am besten Selbstmord begehen kann, da ja eh alles sinnlos ist. So wird relativ schnell aus dem ehemaligen Brenner, dem Idealisten der Leistungsgesellschaft, ein Häufchen Asche. Er ist schlichtweg ausgebrannt. Die Flamme war zu stark und es gab zuwenig Öl, um die Flamme zu erhalten. Und was nun? Im besten Fall ein halbes Jahr Therapie und dann einen neuen Anfang machen. Nicht umsonst gibt es heutzutage soviele Aussteiger, die dem System den Rücken kehren. Es ist schlicht unmenschlich und extrem geworden. Auf die Effekte der Globalisierung für die Menschen in Asien möchte ich dabei noch nicht einmal zu sprechen kommen.

Wenn man sich über diese Prozesse und Hintergründe im Klaren ist, dann kann man frühzeitig an der sogenannten Work-Life-Balance arbeiten und Burnout verhindern. Ich unterstütze Sie dabei gerne. Etwas mehr Sein und etwas weniger Leistungsdenken tut uns allen gut und schenkt uns mehr Lebensfreude und Gesundheit.

 

 

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