Veränderungen im Hypnose Setting

Im Laufe der Jahrtausende hat sich die Hypnose verändert, – hauptsächlich im sogenannten Setting. Damit ist die Situation gemeint, in der die Hypnose stattfindet. Die Rahmenbedingungen haben sich geändert wie auch Hypnotiseur und Hypnotisand. Diese Veränderungen sind sehr interessant zu beobachten und so möchte ich mit Ihnen heute einen kleinen Ausflug in diese unbekannte Welt machen.

Versetzen wir uns einmal gemeinsam in die Zeit der alten Hohepriester von Ägypten. Auch damals wurde Hypnose schon in allen Facetten genutzt. Für die Menschen war die Existenz von Gott und Göttern, von höheren Welten, etc. pure Realität und so gab es für sie auch höhere Kräfte, die von den Priestern für Rituale und Heilungen angewandt wurden. Das Leben und die Schöpfung waren noch voller Mysterien und die Religion hatte einen starken Einfluss auf die Menschen. Die Priester hatten eine sehr gute Menschenkenntnis und wußten um die Macht der Suggestion, der Beeinflussung von Geist und Seele. Sie kannten u. a. den sogenannten Heilschlaf, einen tranceartigen Tiefschlaf. Sie wußten wie sie sich selbst und andere in Trance versetzen konnten und wie man Hypnose zu Heilzwecken, spirituellen Visionen, etc. nutzen konnte. In diesem Rahmen war die Begegnung von Hypnotiseur und Hypnotisand etwas ganz besonderes. Ein Mensch mit einem Leiden, dass wahrscheinlich von irgendeinem bösen Einfluss verursacht wurde, geht zu einem Hohenpriester, einem Menschen mit besonderen Kräften, der mit den Götter in Verbindung steht und lässt sich von ihm behandeln. Es ist eine Begegnung der dritten Art, so als würde ein normaler Mensch heute einen König oder Papst treffen. Jedes Wort, was der Priester sagt, jede Geste hat außerordentliches Gewicht, übt einen starken Einfluss auf den Hypnotisanden aus. Der Hypnotisand sieht sich einer großen, göttlichen Macht gegenüber, die Wunder vollbringen kann, die Heilung aber auch Verderben bringen kann. Diese Idee der übermenschlichen Macht verkörpert durch den Priester in Kombination mit der Ehrfurcht, dem tiefreligiösen Glauben und der Erwartungshaltung des Hypnotisanden schaffen eine außerordentlich günstige Situation für Hypnose und die rasche Heilung durch sie. Es ist die übermäßige geistig-seelische Spannung, die den Hypnotisanden ohne viel Aufwand direkt in Trance gehen lässt und die auch dafür sorgt, dass sein Unterbewusstsein die Worte des Priesters sehr schnell umsetzt. Das ganze Geschehen bestätigt nur die Weltanschauung des Hypnotisanden und verstärkt seinen Glauben an die göttliche Macht des Priesters. Auch der Priester sieht sich bestätigt. Um das besser zu verstehen – stellen Sie sich einmal vor, eine Autorität an die Sie glauben, gibt ihnen eine Suggestion oder einen Befehl, – was meinen Sie wie schnell Sie ihn ausführen?! Und jetzt stellen Sie sich einmal vor, dass Sie gläubig sind und ein Vertreter Gottes spricht zu Ihnen. In Höchstgeschwindigkeit kommen Sie der Suggestion nach! Da gibt es keinen Widerstand, – eher im Gegenteil, Sie sind nur allzu bereit zu tun, was eine höhere, göttliche Autorität Ihnen sagt. Und in diesem religiös-spirituellen Rahmen hat sich auch die Hypnose entwickelt. Sie war damals höchsteffizient.

Auch heute noch gibt es solche Rahmenbedingungen bei Naturvölkern in Südamerika, in Afrika, Asien und generell in tiefreligiösen Gesellschaften. Gerade in Afrika, wo Menschen dem Voodoo-Kult bzw. dem Ahnenkult anhängen und äußerst offen bzw. leicht empfänglich sind für gute wie böse Einflüsse, wirkt Hypnose sehr stark und leicht. Das Unterbewusstsein ist traditionell ein Bestandteil der Weltanschauung und vieles passiert auf dieser Ebene. Wer die Arbeit eines afrikanischen Medizinmannes einmal miterlebt hat, kann sich ein gutes Bild von der Wirkung suggestiver Techniken und der Trance machen, die dort Anwendung finden.

In den spirituellen Traditionen wie im Yoga, Buddhismus, etc. finden Techniken wie Trance, Suggestion, Autosuggestion und allgemein die Arbeit mit dem Unterbewusstsein auf einem sehr hohen, professionellen Level statt. Hier wird das Bewusstsein bzw. der Mensch noch ganzheitlich wahrgenommen. Hypnose in diesem Rahmen funktioniert nicht auf der Basis einer hohen geistig-seelischen Spannung, sondern eher entspannt, sanft und gewissermaßen zielorientiert von beiden Seiten. Es ist hier die harmonische Zusammenarbeit zwischen Hypnotiseur und Hypnotisand.

Vor vielleicht 50 bis 100 Jahren war die westliche Welt noch nicht technisiert und so war auch das Setting anders. Als Milton Erickson seine großen Erfolge feierte, waren die Menschen noch relativ leicht durch Suggestion zu beeinflussen, zu lenken. So war der Einsatz von Hypnose im Rahmen der Psychotherapie auch recht einfach, da die Menschen oft nicht gemerkt haben, dass Hypnose induziert wurde. Widerstand gab es nicht. Der Mensch war noch frei und natürlich im Denken und Fühlen.

Heutzutage hat sich die Situation wieder geändert. Durch die starke Technisierung und die Reizüberfultung so wie durch die Überbetonung des Verstandes, haben die Menschen viele Widerstände aufgebaut, haben sich von ihrem Gefühlsleben distanziert, abgekapselt und empfinden sich in gewisser Weise als nahezu reine Verstandesmenschen. Doch das Unterbewusstsein ist eher das Gegenteil von Ratio, reiner Vernunft. Das Unterbewusstsein ist eher der fühlende, intuitive Anteil im Menschen und so gilt es heute den kritischen, aufmüpfigen, besserwissenden Verstand zu besänftigen, um direkt mit dem empfindenden, intuitiven Anteil des Bewusstseins arbeiten zu können. Dafür wurden auch schon viele spezielle Techniken entwickelt. Im Prinzip haben wir heutzutage eine vergleichsweise schwierige Situation. Die Überbetonung des Verstandes mit der einhergehenden Unterdrückung des Gefühls haben nicht nur im Bereich der Hypnose für Probleme gesorgt, sondern ganz allgemein im Leben. Die natürliche Einheit und die Harmonie sind verloren gegangen. Der Verstand versteht die Gefühle nicht. Beide gehen oft in verschiedene Richtungen und so fühlt der Mensch oft einen inneren Konflikt zwischen Verstand und Intuition. Das macht sich auch in der Hypnose bemerkbar. Was auf der Gefühlsebene schon gelöst und geheilt ist, muss später erst durch den ewig zweifelnden und kritisch-skeptischen Verstand überprüft werden.

So ist Hypnose heutzutage gewissermaßen eine Herausforderung, – je nach dem in welcher Gesellschaft man lebt. Andererseits kann auch der größte Kritiker, Widerständler, Skeptiker durch eine geeignete Technik in den gewünschten Hypnosezustand gebracht werden und mit jeder weiteren Sitzung vereinfacht sich die Induktion. Das ist der Lern- oder Trainingseffekt. Letztendlich – wer einmal die wunderbare Wirkung der Hypnose erlebt hat, geht immer wieder gerne in diesen angenehmen Zustand.

Ein kleiner Tipp zum Schluss: Vertrauen Sie öfters mal auf Ihr Gefühl, auf Ihre Intuition, denn sie ist oft viel schlauer als der sogenannte Verstand. Das wussten schon die alten Inder. Sie haben den Verstand als Diener der Intuition bezeichnet. Heute hat sich der Verstand diese höhere Stellung einverleibt und die Intuition verbannt. Ob das richtig und gut ist, kann sich jeder selbst beanworten, wenn er sich die Welt anschaut, die der Verstand hervorgebracht hat.

PS: Wussten Sie, dass der Verstand nicht das ist, was viele meinen? Aber dazu mehr ein anderes Mal.

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