Beiträge getaggt mit Eltern

Warum die Entwicklung des Urvertrauens so wichtig ist

Den Begriff „Vertrauen“ kennt jeder, hoffentlich aus eigener Erfahrung. Vertrauen ist existentiell. Es ist die Grundlage jeder funktionierenden, erfolgreichen Beziehung. Es ist die Grundlage der menschlichen Gesellschaft.

Dann gibt es noch den Begriff „Urvertrauen“. Urvertrauen entsteht in der frühsten Kindheit durch die bedingungslose Liebe und Fürsorge der Eltern. Urvertrauen bedeutet die Erfahrung von existentieller Sicherheit, von Geborgenheit. Es ist die innere Erfahrung unter der Obhut der Eltern und ihrer Liebe leben und wachsen zu können. Alles ist da, alles wird gegeben, damit sich das Kind entfalten kann, damit es wachsen und gedeihen kann. Für das Kind ist die Welt vollkommen in Ordnung. Es lebt in einem Zustand der Fülle. Alle Bedürfnisse werden erfüllt, die körperlichen wie die seelischen. Die Liebe und Zuwendung der Eltern lässt das Kind sich seelisch gesund entwickeln. Die Erfahrung der emotionalen Fülle, der Geborgenheit, schenkt dem Kind ein tiefes Gefühl von innerer Sicherheit, von Selbstsicherheit, Selbstvertrauen, eine innere Stärke und Zuversicht allen Herausforderungen des Lebens erfolgreich begegnen zu können. Dieses wunderbare Urvertrauen ermöglicht dem Kind später selbst vertrauensvolle, tiefe Beziehungen zu anderen Menschen einzugehen, Liebe, Verständnis und Mitgefühl zu empfinden und zu geben.

Kinder, die mit Urvertrauen aufwachsen, entwickeln sich zu stabilen, selbstsicheren Persönlichkeiten, die dem Leben positiv-konstruktiv begegnen und erfüllende Beziehungen eingehen. Die bedingungslose Liebe der Eltern ist tatsächlich das wichtigste Nahrungsmittel der Seele mit lebenslangen Auswirkungen.

Leider gibt es sehr viele Kinder, die dieses Urvertrauen nur bedingt oder nie kennengelernt haben. Diesen Kinder fehlt die Nahrung für das gesunde Wachstum, die gesunde Reifung der Seele und der eigenen Persönlichkeit. Die Folgen sind oft katastrophal. Es kann vielerlei Probleme geben, – ein Mangel an Selbstsicherheit, an Wertschätzung, Selbstvertrauen, an Beziehungsfähigkeit, an der Fähigkeit seine Gefühle auszudrücken oder generell mit Gefühlen umzugehen, Probleme Liebe und Mitgefühl zu entwickeln und vielfach treten auch allerlei Ängste auf bis hin zu Aggressionen, Depressionen, sozialem Rückzug, allgemeinem Misstrauen. Nicht selten entwickeln die Betroffenen psychische Störungen bzw. regelrechte Krankheiten.

Heutzutage hat in vielen Ländern die Idee der bedingten, leistungsabhängigen „Liebe“ die ursprüngliche, unbedingte, natürliche Form der Liebe verdrängt. Schon früh müssen kleine Kinder um die Liebe ihrer Eltern kämpfen und Leistungen erbringen, um ein paar Zärtlichkeiten oder Streicheleinheiten zu bekommen. So werden Generationen herangezüchtet, die schon auf sehr viel Leid und psychische Probleme vorprogrammiert werden. Was werden sie für Eltern sein, die die selbst keine bedingungslose Liebe erfahren haben, die statt dessen konditioniert wurden? Liebe, Zuwendung als Belohnung für eine erfolgreiche Leistungserbringung?

Dinge zu erschaffen, etwas zu erarbeiten, Leistung zu bringen – das gehört zur menschlichen Natur. Hier motiviert der Sinn für den wir arbeiten. Wir müssen nicht extra gequält werden, um unserer Natur zu folgen, kreativ, schöpferisch tätig zu werden, etwas zu leisten. Es ist das falsche Verständnis von Leistung, von Leistungsgesellschaft.

Es ist so unendlich wichtig unseren Kinder all das zu geben, was sie brauchen, um sich gesund und harmonisch zu entwickeln. Machen Sie als Eltern das Beste aus dem Leben Ihrer Kinder! Schenken Sie ihnen ganz viel Liebe, Sicherheit, Geborgenheit und helfen Sie ihnen ein gutes Selbstwertgefühl zu entwickeln. Dann werden Ihre Kinder zu „Selbstläufern“, die sich ganz von alleine prächtig entwickeln.

 

PS: Das Urvertrauen steht auch noch in einem höheren Kontext. Es ist das spirituelle Gefühl der Einheit mit der Natur, mit allen Lebewesen, mit der ganzen Schöpfung. Es ist die Erfahrung der Urharmonie, der Urfülle. Viele Naturvölker kennen noch dieses Gefühl. Die Natur gibt ihnen alles, was sie brauchen und sie fühlen sich in der Natur zu Hause. Dieses Gefühl der Einheit lässt keine Gedanken an Krieg oder Ausbeutung aufkommen. Es steht für vollkommene Harmonie, für Frieden, für das gesunde, natürliche Miteinander. „Leben und leben lassen.“ Eine interessante Alternative zu den Idealen unserer Zeit.

 

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Das manipulierte Gewissen

Die Menschen lieben es an das Gewissen zu appellieren, um ihre Ziele zu erreichen. Das fängt schon bei kleinen Kindern an. „Wenn Du mir das Spielzeug kaufst, dann hab ich Dich ganz doll lieb (und Du weißt, dass Du eine gute Mami bist und Dein Gewissen ist beruhigt)!“ Kinder sind oft hochmanipulativ, aber wir lieben sie und lassen uns dann gerne manipulieren. Wer will schon nicht angestrahlt werden und das Gefühl haben ein guter Vater oder eine gute Mutter zu sein.

Kinder sind so schlau, dass sie auch Situationen voll ausnutzen, wo andere Personen dabei sind und man seinen guten Ruf verlieren könnte. Sie erpressen einen dann förmlich mit imageschädigendem Verhalten, wenn man ihre Forderungen nicht erfüllt. Ja, so sind Kinder, – Engelchen und Teufcheln in einer Person. So lange es sich um Süßigkeiten und Spielzeug handelt geht es noch. Schlimmer wird es dann, wenn es um teure Markenartikel geht und die lieben Kleinen plötzlich in der Pubertät angekommen sind.

In der Werbung wird auch gerne an unser Gewissen appelliert. „Nur wenn Sie die teure Creme XY kaufen, können Ihre Falten sich glätten!“ (Und wenn Sie es nicht tun, bestrafen Sie sich selbst und sehen alt und unattraktiv aus.) „Sie sind es sich doch wert (oder?)“ Na, da bezahlen wir doch lieber und beruhigen unser Gewissen. Wir könnten es uns ja nie verzeihen Falten im Gesicht zu haben, nur weil wir die Creme nicht bezahlen wollen.

Es gibt eigentlich endlos viele Beispiele, in denen die Werbung mit unserem guten Gewissen spielt, mit unseren Ängsten und Unsicherheiten, aber auch mit unseren Wertvorstellungen. Wir wollen das beste, gesündeste, umweltverträglichste, bestbewerteste, sparsamste, billigste, usw. Produkt für unsere geliebten Haustiere, unsere lieben Kinder, die geliebte Frau oder den geliebten Mann, für die Familie und natürlich für uns selbst, – natürlich weil wir es uns wert sind, weil „Du darfst!“, weil „Man gönnt sich ja sonst nichts!“…. Da fällt mir gerade mein Lieblingswerbeslogan ein „Für das Beste im Mann“. Ich frage mich schon seit Jahren, was sich die Werbetexter dabei gedacht haben. Stärkt man mit dem Rasierschaum oder dem Rasierer in der Werbung den Charakter? Oder kultiviert man damit seine Persönlichkeit? Vielleicht wird man dadurch intelligenter? Ich weiß es nicht. Vielleicht weil ich die Produkte noch nicht gekauft habe. Da sehen Sie, wohin es führen kann, wenn man nicht strikt der Werbung folgt. Ich hoffe, dass der Schaden jetzt nicht irreparabel ist und noch irgendwie das Beste in mir zu retten ist. Drücken Sie mir die Daumen!

Ja, was tun wir nicht alles, um unser Gewissen zu beruhigen, um ein gutes Gewissen zu haben. Wir benutzen sogar unseren Verstand, um nach einer spontanen Entscheidung nach Rechtfertigungen zu suchen und vor uns selbst die Entscheidung mit „logischen“ Argumenten zu verteidigen. Wir Menschen sind eben sehr intelligent. Stellen sie sich einmal vor, Sie stehen vor einem Schaufenster, sehen ein Paar Schuhe, eine tolle Jacke oder ähnliches und Ihr Unterbewusstsein schlägt sofort an. Alles in Ihnen lechzt danach diese tollen Sachen zu kaufen. Das Verlangen schreit laut auf und Sie stürmen das Geschäft. Ehe Sie sich versehen, stehen Sie schon an der Kasse und bezahlen Ihre kostbare Beute. Nach dieser Attacke, nach diesem erfolgreichen Beutefang, ebben die Gefühle etwas ab, eine tiefe Genugtuung stellt sich ein und Sie grinsen zufrieden von einem Ohr zum anderen. Dann schaltet sich plötzlich der Verstand wieder ein und Sie werfen einen Blick auf die Rechnung. „Puh, mußte das wieder sein. Schon wieder so viel Geld ausgegeben. Und wofür? Ich hab doch schon 40 Paar Schuhe bzw. 5 Jacken…..Dann wendet sich das Blatt und der Verstand sucht nach Argumenten für den Spontankauf. „Ja, die Schuhe waren so günstig.“ oder „Wir haben ja Sale, da kostet alles nur die Hälfte“ oder „Bevor ein anderer sie kriegt…“ oder „Sie passen so gut zu meiner Hose..“ oder „Ich hab mir schon ewig nichts mehr geleistet!“….Ja, das sind alles schwerwiegende Argumente und innerhalb kürzester Zeit haben wir unser eigenes Gewissen wieder beruhigt. Gott sei Dank!

Ganz besonders schlimm wird unser Gewissen zur Weihnachtszeit geradezu überanstrengt. Weil Weihnachten ist, sollen wir für alle und jeden spenden. Die Festtagsstimmung läßt uns uns wieder an die Tugenden der Nächstenliebe und des Gebens erinnern. Und wenn wir anderen etwas geben, dann fällt es uns psychologisch auch leichter uns selbst angemessen zu beschenken. Dem Gewissen geht es prächtig. Alles ist gut. (Das wird übrigens gerne gesagt, wenn der Untergang schon voll im Gange ist. „Alles ist gut“ hört sich einfach besser an als „Es gibt keine Hoffnung mehr. Es ist vorbei.“) So erleben wir dann eine Spendengala nach der nächsten im Fernsehen und kriegen unzählige Spendenaufrufe per Post zugeschickt. Im Fernsehen sieht man dann viele tolle Prominente, die dann Geld sammeln und Betroffenheit, – ein schlechtes Gewissen erzeugen, wenn sie das Elend und die Probleme in der Welt zeigen. Daraufhin greifen selbst die Kinder zum Telefon, um ein paar Euro von ihrem Taschengeld zu spenden. Am Ende der Show – ich wiederhole es noch einmal >Show<, werden dann stolz die Einnahmen präsentiert. Dann ist die Show vorbei und man geht zu Bett oder guckt etwas anderes. Spätestens am nächsten Tag denkt kein Mensch mehr an das Elend dieser Welt, an Hilfebedürftige, an Not und Leid. Wir haben auch schließlich Weihnachten und da geht es darum möglichst noch eben schnell die letzten Geschenke zu besorgen und andere, stressige Angelegenheiten zu erledigen.

Es ist gut, die Dinge zu hinterfragen. Gerade diese Spendengalas sind in meinen Augen recht zweifelhaft. Lassen Sie uns einmal genauer hinschauen.

Das Elend dieser Welt und die Not der Menschen existieren 24 Stunden pro Tag und 365 Tage im Jahr und zwar jedes Jahr ohne Ausnahme. Elend und Not hängen zu einem großen Teil mit der menschlichen Gier, mit Gewinnsucht, Gewinnmaximierung und Ausbeutung zusammen. Einer muss schließlich bezahlen, damit es anderen erheblich besser geht. Wir leben weltweit in einem System, was den Reichtum weniger Einzelner auf dem Rücken sehr vieler fördert. Dieses System kann nicht als fair bezeichnet werden. Es hat eher etwas mit Sozialdarwinismus zu tun. Nun, der zweite großte Teil, der für das Elend verantwortlich ist, sind die Betroffenen oft selbst. Es finden keine Lernprozesse statt. Traditionelle Überlebensstrategien werden beibehalten, obwohl sie heutzutage das Gegenteil bewirken. Die überlebenswichtige Anpassung an aktuelle Gegebenheiten gibt es nicht. Solange diese beiden Hauptursachen für Elend und Not nicht beseitig werden, gibt es keine echte Besserung der Zustände, sondern im besten Fall eine kurzfristige Leidminderung.

Das ist leider aber nicht alles. Heutzutage sind Spenden eine lukrative Art Geschäfte zu machen, reich zu werden. Vielleicht haben Sie auch schon davon gehört, dass es bezahlte Spendenjäger gibt, die locker bis zu 50% der gewonnenen Spenden als Provision einbehalten können. Manche Organisationen sind auch so aufgebläht, dass nahezu alle Gelder direkt in der Organisation landen und nur wenige Prozente im einstelligen Bereich überhaupt weiterfließen. Mein persönliches Highlight sind Charity-Ladys, die inklusive TV Reportage einen Gala-Abend machen, – mit allem drum und dran, wie Kaviar, Champagner, Party, etc. und dann kommt heraus, dass dieser ganze Spaß inklusive Übernachtung im Luxushotel und Anfahrt voll von den eingenommenen Spenden finanziert wird. Ja, und wenn noch etwas übrig bleibt, dann kriegen es die Armen, die Bedürftigen.

Nochmal zurück zu den Spendengalas im Fernsehen. Im Publikum sieht man dann oft Promis, Schauspieler, Sportler, etc. Sie werden dann auch gebeten etwas zu spenden. Ja, und großzügig wie sie nun einmal sind, spenden sie mal eben 1000 Euro oder vielleicht 5000 Euro oder mehr. Der Zuschauer ist ganz entzückt und denkt, wie toll doch diese Menschen sind. Betrachten wir das Ganze einmal nüchtern, so können wir feststellen, dass diese Summen für die Promis in der Regel weniger als Peanuts sind. Wenn ein Sportler schon zig Millionen pro Jahr verdient oder ein Schauspieler, Moderator hunderttausende, – was sind dann die 1000 Euro? Nichts. Und er kann sie noch offiziell als Spende von der Steuer absetzen. Wenn aber ein Kind 20 Euro von seinem Taschengeld spendet, dann ist das umgerechnet so als würde ein Sportler vielleicht 1-2 Millionen spenden. Oder anders herum wäre die Spende von einem Multimillionär mit Centbeträgen beim Kind vergleichbar. Da werden auf Deutsch die armen Schweine wieder zur Kasse gebeten, während die reichen Säcke nur den Dreck unter ihren Fingernägeln spenden. (Nur wenn man sein Geld auch behält, bleibt man reich und wird noch reicher.)

Neben diesem ganzen Kasperle Theater ist es aber noch schlimm, dass es nicht einen Hauch von Masterplan gibt, um wirklich effektiv und langfristig etwas zu verändern. Es ist leider auch absolut nicht im Interesse etwas zum Positiven zu verändern. Elenden und Not sind ein Teil des Systems, ein Teil der Geld bringt und Reiche reicher macht. So ist es wieder zweckmäßig zu Weihnachten ein paar Spenden einzusammeln, um sein Gewissen zu beruhigen. „Wir haben ja alles menschenmögliche getan! (Und jetzt lasst uns weiterfeiern!)“

Wenn Sie auch der Meinung sind, dass wir Menschen eine gewisse Verantwortung für unser Leben und die Zustände auf unserer Erde tragen, dann ist es an der Zeit umzudenken, sich zu besinnen, aktiv zu werden.

Wenn Sie denken, dass es Sinn macht als Mensch auch für andere Menschen einzutreten und einen Beitrag zu leisten, damit unsere Welt menschlicher und lebenswerter wird, dann ist es gut, wenn Sie sich Ihr ganz individuelles Projekt suchen, wo Sie sich engagieren können.

Kein Mensch verlangt Wunder oder Selbstaufopferung von Ihnen. Wenn jeder einen kleinen Teil für eine bessere Welt, für mehr Lebensfreude und Glück beiträgt, dann haben wir bald paradiesische Zustände auf der Erde. Es liegt nur an uns etwas zu bewegen, etwas zu verändern.

Ich engagiere mich in vielfacher Weise, mit meinen Möglichkeiten, meiner Bildung, meiner Zeit. Z. B. unterstütze ich meinen Freund Tardif in Kamerun, damit er seine eigene Heilpraxis eröffnen kann, von der er schon seit Jahren träumt. Und so helfe ich nicht nur ihm, sondern auch seiner Familie und unzähligen Menschen, die durch ihn Heilung erfahren werden. Ich tue dies, weil ich weiß, dass es richtig ist, dass es Sinn macht, dass es gut ist, – nicht für mein Gewissen oder mein Ego.

Finden Sie Ihr eigenes, ganz persönliches Projekt, wo Sie genau wissen, dass es sinnvoll ist und richtig, – egal was es ist.

Vielleicht möchten Sie auch mich und Tardif unterstützen. Wir brauchen jede Hilfe, – unabhängig von Weihnachten oder großen Organisationen. Vielleicht finden Sie es auch sinnvoll einfach 5 Euro für Tardif zu spenden. Jeder Euro zählt.

Wenn Sie möchten, dann schauen Sie doch einmal auf unsere Seite: http://www.gofundme.com/1e616w

Sie können auch selbst ein sogenanntes Crowdfunding starten. Probieren Sie es einfach!

Machen Sie das Beste aus Ihrem Leben! Und wenn Sie möchten, dann helfen Sie auch anderen das Beste aus ihrem Leben zu machen. Geteiltes Glück ist doppeltes Glück, wie es so schön heißt.

 

PS: Bitte passen Sie gut auf Ihr Gewissen auf und lassen Sie sich nicht allzusehr manipulieren. Das Gewissen wird oft so nur kurzfristig beruhigt. Langzeiteffekte erzielen Sie anders.

 

 

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Die Gefahr von Projektionen

Es gibt zwei Arten von Projektionen und beide sind schlecht. Sie sorgen für eine verzerrte Wahrnehmung der Realität. Das schafft Probleme, unnötige Probleme und Mißverständnisse. Nur wenn man die Natur von Projektionen kennt, kann man sie vermeiden, – mit all ihren negativen Konsequenzen.

Die erste Art von Projektionen ist die, von sich auf andere zu schließen. Man projieziert sich selbst auf andere und erwartet, dass andere genauso denken, fühlen und handeln. Nun sind wir alle Individuen mit einer ganz eigenen Persönlichkeit und zum Glück sind wir nicht alle gleich. So kann diese Projektion auch nicht funktionieren. Wir machen es aber trotzdem, weil wir die Menschen sind, die wir am besten kennen bzw. nur ahnen können, was in anderen Menschen vor sich geht.

Mit dieser Art von Projektionen geht sehr oft eine starke Erwartungshaltung mit einher und wenn die nicht erfüllt wird, auch eine sehr große Enttäuschung. Die Person, die die Projektion über sich ergehen läßt, ist oft hin- und hergerissen zwischen dem Erfüllungszwang inklusive Leiden und der bewussten Enttäuschung der anderen Person. Oft sind hier nämlich die Machtverhältnisse nicht symetrisch. Die Projektionen gehen in der Regel von „mächtigen“ Menschen aus, – Eltern, Lehrer, Chefs, Autoritäten und betreffen dann „untergeordnete“ wie Kinder, Schüler, Mitarbeiter, etc. die sich schlecht durchsetzen können.

Jeder kennt solche Geschichten, wo die Mutter oder der Vater ganz hingerissen ist vom Sprößling – „er ist ganz wie der Vater, hoch intelligent, – der muss einfach studieren und wie Papa Arzt werden. Das sieht man doch!“ Ja und dann wundern sich die Eltern, wenn der hochbegabte Bub, dann doch lieber Schreiner wird oder sein Studium schmeißt. Die erstaunten Eltern erfahren dann, dass er nur ihnen zuliebe studiert hat und es letztendlich nicht mehr ausgehalten hatte. „Warum hast Du denn nichts gesagt, mein Sohn?“ „Ja warum wohl?!“ Ja und so vergeigt man dann seine kostbare Zeit, leidet, macht sich Vorwürfe, macht seinen Eltern Vorwürfe und macht doch schließlich etwas, was einem wirklich liegt oder manche werden auch richtig unglücklich nur, um ihren Eltern einen Gefallen zu tun. Erwachsene und Autoritätspersonen sind bekanntlich immer schnell dabei zu wissen, was für andere das Beste ist – und leider kommen sie nie auf die Idee einfach mal nachzufragen.

Ein besonderes Highlight dieser Projektionsart ist, wenn Eltern ihre persönlichen Wünsche auf ihre Kinder projiezieren mit der Idee, dass die Kinder das vollbringen, was sie selbst nie geschafft haben. Nach dem Motto „Ich wollte studieren und Jurist werden, bin aber leider/glücklicherweise Automechaniker geworden und nun wird eben mein Sohn Jurist!“ Leid und Auseinandersetzungen sind hier schon für Jahre vorherzusehen, ohne Prophet sein zu müssen.

Die zweite Art von Projektionen unterteilt sich in positive und negative Projektionen, die aber beide schädlich sind. Hierbei macht man gewisse gute oder schlechte Erfahrungen und verknüpft sie mit bestimmten Merkmalen wie Aussehen, Verhalten, Situation, etc. Nehmen wir mal ein Beispiel. Sie fahren nach Italien und haben eine wirklich tolle Zeit. Alle Menschen in dem Städtchen sind sehr freundlich und herzlich und Sie fühlen sich total glücklich. Nun könnten Sie diese Erfahrung verallgemeinern und sagen alle Italiener sind super nett. D. h. Sie projiezieren Ihre positive Erfahrung auf alle Menschen, die in Italien wohnen oder von dort kommen. Das stimmt natürlich nicht mit der Realität überein, weil es überall auf der Welt nette und weniger nette Menschen gibt, auch in Italien. Im schlimmsten Fall projiezieren Sie Ihr positives Bild von einem Italiener auf einen nicht so netten Italiener und bekommen so Probleme. Ähnlich läuft dieser Prozess im kriminellen Bereich, wo vermeintliche Enkel ältere Menschen ausrauben, weil die ihre Vorstellung vom guten Enkelkind auf den Kriminellen projiezieren. „Hallo Oma, ich bin´s, Dein Enkel!“ „Hans-Uwe bist Du das?“ „Ja, Oma, ich brauch mal Knete!“ „Du warst immer so ein guter Junge. Ich helf Dir doch gerne!“ Na klar! Abgesehen von diesem Beispiel können Menschen einen Heiligenschein bekommen, ganz einfach nur deswegen, weil sie einen an eine tolle Person aus der Vergangenheit erinnern oder an ein tolles Erlebnis mit einer Person, die so ähnlich aussah oder sich so ähnlich verhalten hat. Ein Heiligenschein ist zwar nett, kann aber übertrieben sein und zu unerfüllbaren Erwartungen führen, die dann wieder in Enttäuschung enden.

Die negativen Projektionen von diesem Typ sind noch schlimmer. Nehmen wir einmal an, eine junge Frau verliebt sich, hat eine tolle Zeit und wird dann von ihrem Freund sitzen gelassen. Das ist der emotionale Weltuntergang und hinterläßt große seelische Wunden. Im schlechtesten Fall ist sie nun für die Zukunft gebrandmarkt. D. h. jedesmal, wenn sie einem Mann begegnet, der ähnlich aussieht, sich ähnlich verhält oder auch nur den gleichen Beruf hat wie ihr Ex, projiziert sie ihren Haß bzw. ihre negative Erwartungshaltung auf diesen Mann, ohne zu hinterfragen, ob er wirklich so ist wie sie denkt. „Der sieht schon aus wie Rüdiger. Der lacht auch noch so. Das ist bestimmt auch so ein Schwein!“ Ja und da hat der arme Mann dann Pech gehabt und weiß noch nicht einmal, womit er den Zorn der Frau verdient hat.

Projektionen verändern auch noch die Wahrnehmung, da alles, was die andere Person tut, so interpretiert wird, dass es die Projektion rechtfertigt, für wahr erklärt und weiter unterstützt.

Das ist übrigens in der Schule schon so. Wenn Sie einem Lehrer sagen, dass Ihr Kind hochbegabt ist und nachgewiesenermaßen einen IQ von 150 hat, dann wird der Lehrer diese Hochbegabung mit allen Konsequenzen auf Ihr Kind projizieren. Wenn Ihrem Kind in der Schule langweilig ist, wird der Lehrer denken, dass es unterfordert ist. Wenn es eine Frage stellt, dann ist das ein Zeichen seiner Intelligenz und Neugier. Wenn Sie einem Lehrer aber sagen, dass ein Kind dumm und unbegabt ist, dann projiziert der Lehrer ebenso und interpretiert Langeweile als Nichtinteresse, Überforderung und eine Frage als Problem dem Unterricht zu folgen.

In Schulen und an Unis wurden schon solche psychologischen Experimente gemacht. Unabhängig von der wahren Intelligenz wurden die einen gefördert, weil sie ja angeblich begabt waren und die anderen blieben auf der Strecke. Dies hat sich auch im Notenspiegel gezeigt.

Deshalb überlegen Sie genau, was Sie den Lehrern Ihrer Kinder erzählen und überlegen Sie auch, ob Sie selber Dinge auf andere projizieren oder Opfe von Projektionen sind. Kommunikation hilft hier in jedem Fall.

Wie sagten einst die weisen Indianer „Verurteile niemanden, solange Du nicht in seinen Mokassins gelaufen bist!“

Jeder hat seine eigenen Mokassins. Und die eigenen müssen weder anderen passen, noch müssen andere sie mögen.

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