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Der kontrollierte Mann oder die Kultur des Miteinanders

Meine liebe Kollegin Simone Lücke und ich saßen vor kurzem in einem Restaurant in Groß-Gerau und wurden Zeugen wie ein Mann laut seine Frau „zurecht gestutzt“ hat. Es war ein älterer Herr, dem es offenbar auf die Nerven ging wie seine Frau ihm vorschrieb, was er im Restaurant zu essen und zu trinken hätte. Ihm ist der Kragen geplatzt, – vielleicht zum ersten Mal nach vielen Jahren.

In gewisser Weise mag das vielleicht in dem Augenblick „witzig“ gewesen sein, aber die Tragödie, die sich dahinter verbirgt ist eher traurig. Der Mann wurde offensichtlich über Jahrzehnte von seiner Ehefrau bevormundet, teilweise wie ein kleines Kind behandelt, was nicht in der Lage ist für sich Entscheidungen zu treffen. Nun wer möchte so behandelt werden? Wohl niemand. Selbst Kinder haben ihre eigene Meinung und wollen nicht bevormundet werden. Und schon gar nicht ein erwachsener Mann.

Wie kommt es nun zu so einer Situation? Vielleicht ist es eine Form der Besserwisserei seitens der Frau. Vielleicht hat sie vergessen, dass es sich nicht um ein Kind, eines ihrer Kinder, eines ihrer Schüler (?) handelt, sondern um ihren Ehemann? Vielleicht ist sie auch zu fürsorglich, zu mütterlich? Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann aber der Mann verantwortungsvoll handeln und selbst sinnvolle Entscheidungen treffen.

Oft liegt so einer Beziehung eine verzerrte Wahrnehmung zu Grunde, wo wie hier der Ehemann nicht als solcher gesehen wird, sondern unbewusst als ein Kind, was Kontrolle und Führung braucht. Dies kann sich aus dem Beruf oder der Haupttätigkeit der Frau ergeben haben. Vereinfacht gesagt nehmen viele Menschen ihren Job mit nach Hause, sind beispielsweise in der Schule Lehrer und zu Hause auch oder Mutter für die Kinder und alle anderen ebenso. Dies sind unbewusste Verhaltensmuster, die teilweise komisch oder witzig sind, aber sich durchaus auch negativ auf Partnerschaft, Familie und Freunde auswirken können.

Nun ist es sehr gesund und hilfreich sich solcher unbewusster Verhaltensmuster klarzuwerden und sie zu hinterfragen. Es gibt viele Rollen im Leben und letztendlich müssen wir allen gerecht werden. Werden diese Rollen verschoben, dann entstehen Probleme wie das oben beschriebene. So mag beispielsweise eine Frau vormittags in der Schule eine gute Lehrerin für ihre Schüler sein, daheim eine gute Mutter für ihre Kinder und eine liebende Ehefrau für ihren Mann. Wenn sie aber für ihre eigenen Kinder und den Mann immer noch ihre Rolle als Lehrerin beibehält oder ihren Mann wie eines ihrer Kinder behandelt, so sind Probleme vorprogrammiert. Gleiches gilt natürlich auch für den Mann, der zu Hause seine berufliche Rolle gegen die des Vaters und liebenden Ehemannes eintauschen muss.

Ein weiser Mann hat einmal gesagt, dass man ganz bewusst alles getrennt halten soll. Wenn man sich im Büro konzentriert mit der Arbeit beschäftigt und zu Hause mit der Familie, so gewinnt man das Beste für sich. Wenn man aber auf der Arbeit sich mit Familienangelegenheiten beschäftigt und zu Hause sich Gedanken über das Büroprobleme macht, vergeudet man seine Zeit und Energie.

So macht es auch Sinn sich bewusst an Dinge zu erinnern, ganz bewusst sein Leben, seine Beziehungen zu gestalten. Wenn man seinem Partner nach der Arbeit zu Hause begegnet einmal bewusst daran denken, dass man diesen Menschen aus Liebe geheiratet hat, in Liebe miteinander verbunden ist, viele wertvolle Erfahrungen gemacht. Oder wenn man seine Kinder sieht daran denken, dass es die eigenen Sprösslinge sind, dass sie ein Geschenk sind, ein Zeichen der Liebe und Verbundenheit mit dem Partner.

Wertschätzung, Aufmerksamkeit, darum geht es, auch um Respekt, Wohlwollen, Verständnis.

Heutzutage sind wir viel zu viel gefangen in der Alltagsroutine. Wir vergessen, was wirklich wichtig ist. Wir haben uns selbst vergessen. Und viele wachen erst auf, wenn es zu spät ist, wenn die Beziehung kaputt ist, wenn Krankheit oder Tod warten.

Deshalb versuchen Sie sich bewusst an das Gute im Leben zu erinnern. Bereichern Sie Ihr Leben mit Wertschätzung, Aufmerksamkeit, Respekt, Wohlwollen und Verständnis. Denken Sie daran, dass wir alle nicht perfekt sind, dass wir alle nur Menschen sind, dies aber mit viel Humor und Leichtigkeit tragen können.

Schenken Sie insbesondere den Menschen, denen Sie täglich begegnen, Ihre Lieben, Ihren Mitmenschen Wertschätzung, Respekt und Wohlwollen. Versuchen Sie sie zu verstehen.

Und machen Sie noch einen weiteren Schritt: Sprechen Sie mit ihnen darüber, teilen Sie das Gute, bereichern Sie sich gemeinsam und machen Sie zusammen das Leben einfach lebenswerter.

Wenn wir alle das Beste aus dem Leben machen, dann erschaffen wir ein Paradies für uns alle.

Dann muss auch niemand mehr kontrolliert werden. Freiheit erwächst aus Respekt und Verständnis für einander.

Herzlichst Ihr

Falco Wisskirchen

Heilpraktiker für Psychotherapie

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Das Kind im Hamsterrad – Stress, Burnout, Depressionen

Der Hamster im Käfig geht ab und zu ins Hamsterrad, weil er Bewegung braucht, die er in seiner Gefangenschaft nicht bekommt. Im Gegensatz zum Hamster bewegen wir uns freiwillig und pausenlos im Hamsterrad, weil es uns als Lebenssinn vermittelt wird und weil wir es auch schon gar nicht mehr anders kennen.

Und so rennen wir im Hamsterrad und kommen doch nicht von der Stelle. Je schneller wir rennen, desto schneller dreht es sich und es gibt kein Entkommen.

Die ganze Welt dreht sich immer schneller. Wir rennen nicht nur im Job und erledigen immer mehr. Wir rennen auch privat und hetzen von einer Sache zur nächsten. Zwischendurch checken wir die neusten Nachrichten auf Facebook und WhatsApp, spielen CandyCrush, simsen und so weiter.

Irgendwie spielt sich das ganze Leben ohne uns ab, weil wir vor lauter Beschäftigung, Reizüberflutung und Rennerei gar nichts mehr vom Leben mitbekommen.

Ab und an wundern wir uns wie schnell die Zeit vergeht, dass eine Freundin gerade ihr Kind bekommt, obwohl sie doch gefühlt erst gestern von ihrer Schwangerschaft berichtet hat oder gerade hatten wir doch Weihnachten und jetzt ist schon wieder Ostern?! Und als Rentner stellen wir uns vielleicht die Frage „Habe ich wirklich gelebt oder war alles nur ein Alptraum aus Arbeit, Stress und WhatsApp News?“ Aber zum Glück gibt es ja Facebook, da kann man dann die eigene Chronik betrachten und sich an wichtige oder unwichtige Ereignisse im Leben erinnern.

Die Rennerei im Hamsterrad hat natürlich Folgen. Nicht nur, dass wir vom eigentlichen Leben kaum noch etwas wahrnehmen, wir leiden auch unter Dauerstress, Erschöpfung, gesundheitlichen Problemen, vielleicht sogar Depressionen und Ängsten.

Wenn man nie auftankt, dann geht einem irgendwann der Sprit aus und dann geht gar nichts mehr. Diagnose Erschöpfungssyndrom, Burnout, Depression. Dann heißt es „Lassen Sie sich mal in die Tagesklink einweisen und nach einem halben Jahr der reinen Erholung und Freizeitgestaltung unter ärztlicher Aufsicht können Sie wieder nach Hause gehen.“

Was für Erwachsene mittlerweile schon normal ist – heutzutage kennt jeder jemanden, der schon einen Nervenzusammenbruch oder Depressionen hatte oder kurz vorm Selbstmord war – wird auch immer mehr zur Normalität für unsere Kinder, für Schüler und Studenten.

Für das „Kind sein“ fehlt einfach die Zeit, denn schon die Kleinsten müssen in die Ganztagesbetreuung, damit Mama und Papa weiter in ihren Hamsterrädern laufen können. Aber so gewöhnen sich die Kleinkinder schon mal an das, was für sie die nächsten 50-60 Jahre Alltag sein wird.

Kinder haben schon längst ihren Full-Time-Job, den früher nur Erwachsene hatten. Früh morgens aufstehen, oft eine längere Anfahrt zur Schule, bis Mittag dann der Unterricht, lecker Kantinenessen und nachmittags noch Schulsport, Leistungskurse, betreute Hausaufgaben bis die Kinder dann am späten Nachmittag oder frühen Abend nach Hause fahren. Damit den Kindern jetzt nicht langweilig wird, müssen sie Klavier lernen, im Verein Fußball spielen, etc. so dass sie mindestens dreimal die Woche noch zusätzlich über mehrere Stunden beschäftigt sind. Ganz nach dem Motto „Bloß keine Ruhe aufkommen lassen, wer weiß, was dann passieren könnte!“

Ansonsten gibt es ja noch Internet, Glotze, Smartphone und die Spielekonsolen. So sind die Kinder beschäftigt, müssen noch nicht einmal groß mit dem Rest der Familie sprechen oder interagieren und alles ist gut.

In der Schule selbst stehen die Kinder unter Zeit- und Leistungsdruck. Sie müssen immer mehr Stoff lernen, können ihn aber direkt nach der Prüfung vergessen, weil er in der Regel auch nicht mehr gebraucht wird.

Neben dem Unterrichtsstoff müssen die Kinder noch mit den bekannten Problemen wie Mobbing und der Pubertät kämpfen. Und wenn dann die Noten nicht stimmen, gibt es noch Stress mit den Eltern.

Da ist es kein Wunder, dass schon unsere Kinder unter Dauerstress leiden, ständig erschöpft sind, Depressionen bekommen, ausgebrannt sind und teilweise schon Selbstmordgedanken haben, weil sie keinen Ausweg aus ihrer Situation sehen. Außer dem Hamsterrad kennen sie nichts vom Leben.

Hinzu kommt noch das konditionierte Problembewusstsein in der Schule. Die Welt ist schlecht und sie wird noch schlechter und keiner kann etwas dagegen tun. In der Schule beschäftigt man sich nur mit Problemen, aber nicht mit den schönen und guten Seiten des Lebens. Problembewusstsein ist alles. Der Mensch ist schuld am Untergang der Welt und es wird vermittelt, dass es eigentlich gar keinen Sinn macht auf eine gute, lebenswerte Zukunft hinzuarbeiten – vor lauter Klimawandel, Krieg, Terrorismus, Umweltzerstörung, usw.

Was machen die Kinder? Sie erkranken an Hoffnungslosigkeit und stürzen sich in Alkohol, in Zigaretten, sie fangen an zu kiffen, Koma Saufen ist toll, Sex mit 12 ist normal, etc. Das ist eine Reaktion auf das, was ihnen vermittelt wird. Wenn schon das ganze Leben sinnlos sein soll, dann will man sich entweder betäuben oder noch einmal richtig Spaß haben, bevor es zu spät ist. Dies war schon vor 20 Jahren so, aber damals ging es um Kernkraftwerke, Waldsterben und Atombomben.

Ich finde dies alles sehr traurig. Anstatt unsere Kinder aufzubauen, ihnen Werte zu vermitteln, ihnen auch die Zeit zu geben sich zu entwickeln, Kind zu sein, werden sie direkt in die Mühle, ins Hamsterrad gesteckt. Und nachher wundern wir uns, warum unsere Gesellschaft so kaputt ist, warum Menschen Depressionen haben, an Burnout leiden oder sich vor lauter Verzweiflung direkt umbringen.

Der Mensch befindet sich nicht mehr im Gleichgewicht, weder mit sich selbst, noch mit der Gesellschaft und der Natur. Je früher er das erkennt, desto besser und schneller kann er notwendige Änderungen herbeiführen.

Das Leben muss wieder lebenswert werden. Es kann nicht nur aus Leistung und „Entertainment“ bestehen.

Auch wenn man als Erwachsener oder Kind im Hamsterrad rotiert, so kann man doch seine Situation verbessern und mehr Lebensqualität erreichen.

Als Heilpraktiker für Psychotherapie und Experte für Stressmanagement und Burnout helfe ich Ihnen gerne Ihr Leben wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Rufen Sie mich an und lassen Sie uns einen Beratungstermin vereinbaren: Tel: 06152 859 3395

Oder senden Sie mir eine E-Mail an: info@hypnotherapie-falco-wisskirchen.de und ich melde mich umgehend bei Ihnen.

Denken Sie daran, Sie tun weder sich selbst, Ihrem Arbeitgeber oder Ihrer Familie einen Gefallen, wenn Sie seelisch und körperlich ausbrennen.

Je früher Sie sich professionell helfen lassen, desto einfacher, schneller und besser kommen Sie wieder in den grünen Bereich.

Ich bin für Sie da!

Herzlichst, Ihr

Falco Wisskirchen

Heilpraktiker für Psychotherapie

Stressmanagement & Burnoutprävention

 

Praxis für Hypnotherapie Falco Wisskirchen Adolf-Göbel-Straße 24 64521 Groß-Gerau

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Kinder ohne Kindheit

Sie haben bestimmt schon von Kinderarbeit gehört oder entsprechende Bilder gesehen. Z. B. sitzt da ein kleines halbnacktes Mädchen in einem Steinbruch in Indien mit seinem kleinen Bruder und beide hauen mit einem Hammer Steine klein, damit sie später als Schotter dienen. Wenn man solche Bilder sieht, dann wird einem ganz anders. Kinder, die noch zu klein für den Kindergarten sind, arbeiten jeden Tag im Steinbruch. Sie haben keine echte Kindheit. Stattdessen sind sie kleine Schwerarbeiter, die schon frühzeitig ihre Gesundheit ruinieren. Wir im Westen können das nicht verstehen. Wir sind entsetzt. In armen Ländern sind die Familien aber oft darauf angewiesen, dass selbst schon die Jüngsten zum Unterhalt etwas beitragen. Da müsste man die Einkommenssituation der Erwachsenen verbessern, damit die armen Kinder nicht mehr arbeiten.

Während wir uns zu Recht über solche Zustände aufregen, übersehen wir, wie es unseren eigenen Kindern mittlerweile geht. Unsere Kinder müssen zwar nicht im Steinbruch schufften und sie müssen auch nichts zum Unterhalt der Familie beitragen, aber sie haben inzwischen auch einen langen Arbeitstag wie Erwachsene, kaum noch Freizeit und auch nicht mehr die Freiheit Kind zu sein, eine unbeschwerte Kindheit zu erleben.

Was ist geschehen? Unsere Kinder sind auch schon in der Maschinerie der Leistungsgesellschaft angekommen. In der Leistungsgesellschaft liegt der Fokus auf der Leistung, nicht auf dem Menschen. Der Mensch wird als „human resource“ gesehen, wie ein Rohstoff, ein Produkt, ein Mittel zum Zweck, ein Mittel zum Geldverdienen, zur Gewinnmaximierung. Ein Mensch definiert heutzutage seinen Wert durch die Leistung, die er bringt. Diese Veränderung der Wahrnehmung, der Sichtweise hat für viele, aus meiner Sicht negative Veränderungen in der Gesellschaft geführt.

Können Sie sich vorstellen, dass vor langer Zeit Kinder als etwas Schönes, Erfreuliches, Wertvolles betrachtet wurden, als ein großer Schatz, als größtes Glück? Heute sind Kinder potentieller Steuerzahler, human resources, die die Rentenkassen auffüllen sollen und ansonsten nur Kosten verursachen, allgemein nur stören und Frauen von der Arbeit abhalten. Kinder sind lästige Übel, die möglichst schnell in die Maschinerie integriert werden müssen, damit sie Nutzen bringen.

Kinder oder die „Produktion“ von Kindern wird heutzutage nicht aus Freude an der Sache gefördert, sonder nur aus dem volkswirtschaftlichen Interesse heraus. Wir brauchen Steuern. Wir brauchen Steuerzahler. Wir brauchen Arbeiter. Wir brauchen Leistung.

Aus dieser Sichtweise wird es klar, dass ein gesundes, normales Familienleben und die Betreuung der Kinder durch die Mutter bzw. der Eltern nicht wünschenswert sein kann. Es ist eine Vergeudung von Geld, Zeit und Arbeitskraft. Stattdessen ist es wünschenswert schon den kleinsten Kindern das korrekte Verhalten in der Leistungsgesellschaft beizubringen, denn nur wer etwas leistet, hat auch einen Wert. So sollen Kinder möglichst früh „gefördert“ werden, möglichst früh schon Fremdsprachen lernen oder im Kindergarten Sachen beherrschen, die sie dann in der Grundschule wiederholen.

Am wichtigsten ist jedoch, dass die Mutter möglichst frühzeitig nach der Geburt wieder in ihren Job zurückkehrt. Das Hamsterrad muss sich schließlich weiterdrehen. Da ist es dann auch egal, ob das eigene Kind mit 30 anderen Kindern um die so wichtige Aufmerksamkeit und „Zuwendung“ durch die Erzieherin kämpfen muss. Zuwendung, Liebe und Verständnis sind zwar ausgesprochen wichtig für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, aber sie müssen eben der Maschinerie und dem Ideal der Leistung untergeordnet werden. Und hinterher wunder man sich dann über Verhaltensauffälligkeiten und andere Störungen in der Schule, aber dafür gibt es ja Psychopharmaka.

Zu dem Druck durch die Gesellschaft kommt noch der Leistungswahn vieler Eltern. Was sie selbst nie gemacht hätten, nie geschafft haben, dass sollen dann ihre Kinder für sie verwirklichen. Mit 3 Jahren schon mal Französisch lernen oder noch besser direkt Chinesisch, dann bald darauf mit Klavier spielen, Tennis oder besser Golf anfangen, usw. Je mehr desto besser. So starten schon die Kleinsten in ihren Arbeitstag früh morgens, werden in der Kita bespaßt und im schlimmsten Fall abends irgendwann abgeholt. Leckers Essen gibt es natürlich in der Kita – in der Regel ein sehr kostengünstiges Essen mit zweifelhaften Inhalt. (Während meiner Studienzeit nannten wir so etwas „Mampf mit Soße“, wobei die Soße existenzielle Bedeutung hatte, weil man sonst den Mampf nicht runter bekam. Mampf war die Bezeichnung für das „unbekannte Etwas“ auf dem Teller, dem die Soße erst Geschmack verlieh.) Ja und wenn die Kinder dann abends mal zu Hause angekommen sind, dann müssen sie eben noch für ihre „Hobbys“ üben. So haben schon die Kleinsten ihren 8-10 Stunden Tag – warum auch nicht? Oder?

Nach der Kita kommt der Kindergarten, danach die Grundschule und so weiter. Alles möglichst mit ganztäglicher „Betreuung“. Was bleibt da noch von der Kindheit? Von der Jugendzeit? Nichts!

Anstelle der glücklichen, unbeschwerten Kindheit erleben die Kinder dann all die guten Seiten der Leistungsgesellschaft wie Leistungsdruck, Stress, Mobbing, Aggressionen, Minderwertigkeitskomplexe, Panik, Angst, Erschöpfung, Depressionen und sonstige affektive Störungen, Verhaltensauffälligkeiten, etc. Ja, so werden sie effektiv auf ihr späteres Leben vorbereitet, inklusive dem Wissen wie oft man welche Tabletten für welche Anwendungsgebiete einnehmen muss. Als Ausgleich gibt es schließlich Internet, Handys, Spielekonsolen und TV Geräte. Was kann ein Kind mehr wollen?

Über die unbeschwerte Kindheit kann man dann vielleicht einmal später ein gutes Buch lesen oder sich einen Film von Astrid Lindgren anschauen, – damals als Kinder tatsächlich (sogar) miteinander (!) gespielt haben und das noch in der Natur (!) – unvorstellbar, nicht wahr?!

Ehrlich gesagt, mich wundert es, dass nicht schon längst Kinder künstlich gezüchtet oder geklont werden, wie unsere Hochleistungs-Milchkühe für maximale Leistung, maximalen Ertrag. Das wäre doch die beste Lösung. Kinder könnten kostengünstig in Fabriken gezüchtet und ideologisch korrekt ausgebildet werden, so dass sie zu bestens funktionierenden Arbeitern und Steuerzahlern werden. Da braucht man keine Eltern mehr. Falls Paare noch ein Bedürfnis verspüren ein eigenes Kind zu haben, da können sie genauso gut entsprechenden Psychopharmaka einnehmen, sich einen neuartigen Robotermenschen kaufen oder halt das bewährte Haustier halten.

Das Leben kann so einfach sein – aus Sicht unserer „Human Resources Verwalter“.

Ich persönlich bin noch in Freiheit groß geworden und wünsche dies auch mal meinen eigenen Kindern. Ich hoffe, Sie gönnen Ihren Kinder auch eine unbeschwerte Kindheit, soweit das heutzutage noch möglich ist.

Vielleicht erleben wir eines Tages eine Gesellschaft, wo der Mensch im Mittelpunkt steht. Dann brechen für uns alle paradiesische Zeiten an.

Bis dahin können, sollten, müssen wir uns für positive Veränderungen einsetzen, zum Wohl unserer Kinder.

Machen Sie wie immer nur das Beste aus Ihrem Leben!

 

PS: Haben Sie sich schon mal gefragt, wie man auf die Idee kommt, dass Kinder täglich stundenlang auf unbequemen Stühlen in der Schule still sitzen müssen und warum es für manche Menschen unvorstellbar ist, dass Kinder einen Bewegungsdrang haben und lieber draußen herumtoben möchten? Aber zum Glück gibt es ja Beruhigungmittel für Kinder.

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Das manipulierte Gewissen

Die Menschen lieben es an das Gewissen zu appellieren, um ihre Ziele zu erreichen. Das fängt schon bei kleinen Kindern an. „Wenn Du mir das Spielzeug kaufst, dann hab ich Dich ganz doll lieb (und Du weißt, dass Du eine gute Mami bist und Dein Gewissen ist beruhigt)!“ Kinder sind oft hochmanipulativ, aber wir lieben sie und lassen uns dann gerne manipulieren. Wer will schon nicht angestrahlt werden und das Gefühl haben ein guter Vater oder eine gute Mutter zu sein.

Kinder sind so schlau, dass sie auch Situationen voll ausnutzen, wo andere Personen dabei sind und man seinen guten Ruf verlieren könnte. Sie erpressen einen dann förmlich mit imageschädigendem Verhalten, wenn man ihre Forderungen nicht erfüllt. Ja, so sind Kinder, – Engelchen und Teufcheln in einer Person. So lange es sich um Süßigkeiten und Spielzeug handelt geht es noch. Schlimmer wird es dann, wenn es um teure Markenartikel geht und die lieben Kleinen plötzlich in der Pubertät angekommen sind.

In der Werbung wird auch gerne an unser Gewissen appelliert. „Nur wenn Sie die teure Creme XY kaufen, können Ihre Falten sich glätten!“ (Und wenn Sie es nicht tun, bestrafen Sie sich selbst und sehen alt und unattraktiv aus.) „Sie sind es sich doch wert (oder?)“ Na, da bezahlen wir doch lieber und beruhigen unser Gewissen. Wir könnten es uns ja nie verzeihen Falten im Gesicht zu haben, nur weil wir die Creme nicht bezahlen wollen.

Es gibt eigentlich endlos viele Beispiele, in denen die Werbung mit unserem guten Gewissen spielt, mit unseren Ängsten und Unsicherheiten, aber auch mit unseren Wertvorstellungen. Wir wollen das beste, gesündeste, umweltverträglichste, bestbewerteste, sparsamste, billigste, usw. Produkt für unsere geliebten Haustiere, unsere lieben Kinder, die geliebte Frau oder den geliebten Mann, für die Familie und natürlich für uns selbst, – natürlich weil wir es uns wert sind, weil „Du darfst!“, weil „Man gönnt sich ja sonst nichts!“…. Da fällt mir gerade mein Lieblingswerbeslogan ein „Für das Beste im Mann“. Ich frage mich schon seit Jahren, was sich die Werbetexter dabei gedacht haben. Stärkt man mit dem Rasierschaum oder dem Rasierer in der Werbung den Charakter? Oder kultiviert man damit seine Persönlichkeit? Vielleicht wird man dadurch intelligenter? Ich weiß es nicht. Vielleicht weil ich die Produkte noch nicht gekauft habe. Da sehen Sie, wohin es führen kann, wenn man nicht strikt der Werbung folgt. Ich hoffe, dass der Schaden jetzt nicht irreparabel ist und noch irgendwie das Beste in mir zu retten ist. Drücken Sie mir die Daumen!

Ja, was tun wir nicht alles, um unser Gewissen zu beruhigen, um ein gutes Gewissen zu haben. Wir benutzen sogar unseren Verstand, um nach einer spontanen Entscheidung nach Rechtfertigungen zu suchen und vor uns selbst die Entscheidung mit „logischen“ Argumenten zu verteidigen. Wir Menschen sind eben sehr intelligent. Stellen sie sich einmal vor, Sie stehen vor einem Schaufenster, sehen ein Paar Schuhe, eine tolle Jacke oder ähnliches und Ihr Unterbewusstsein schlägt sofort an. Alles in Ihnen lechzt danach diese tollen Sachen zu kaufen. Das Verlangen schreit laut auf und Sie stürmen das Geschäft. Ehe Sie sich versehen, stehen Sie schon an der Kasse und bezahlen Ihre kostbare Beute. Nach dieser Attacke, nach diesem erfolgreichen Beutefang, ebben die Gefühle etwas ab, eine tiefe Genugtuung stellt sich ein und Sie grinsen zufrieden von einem Ohr zum anderen. Dann schaltet sich plötzlich der Verstand wieder ein und Sie werfen einen Blick auf die Rechnung. „Puh, mußte das wieder sein. Schon wieder so viel Geld ausgegeben. Und wofür? Ich hab doch schon 40 Paar Schuhe bzw. 5 Jacken…..Dann wendet sich das Blatt und der Verstand sucht nach Argumenten für den Spontankauf. „Ja, die Schuhe waren so günstig.“ oder „Wir haben ja Sale, da kostet alles nur die Hälfte“ oder „Bevor ein anderer sie kriegt…“ oder „Sie passen so gut zu meiner Hose..“ oder „Ich hab mir schon ewig nichts mehr geleistet!“….Ja, das sind alles schwerwiegende Argumente und innerhalb kürzester Zeit haben wir unser eigenes Gewissen wieder beruhigt. Gott sei Dank!

Ganz besonders schlimm wird unser Gewissen zur Weihnachtszeit geradezu überanstrengt. Weil Weihnachten ist, sollen wir für alle und jeden spenden. Die Festtagsstimmung läßt uns uns wieder an die Tugenden der Nächstenliebe und des Gebens erinnern. Und wenn wir anderen etwas geben, dann fällt es uns psychologisch auch leichter uns selbst angemessen zu beschenken. Dem Gewissen geht es prächtig. Alles ist gut. (Das wird übrigens gerne gesagt, wenn der Untergang schon voll im Gange ist. „Alles ist gut“ hört sich einfach besser an als „Es gibt keine Hoffnung mehr. Es ist vorbei.“) So erleben wir dann eine Spendengala nach der nächsten im Fernsehen und kriegen unzählige Spendenaufrufe per Post zugeschickt. Im Fernsehen sieht man dann viele tolle Prominente, die dann Geld sammeln und Betroffenheit, – ein schlechtes Gewissen erzeugen, wenn sie das Elend und die Probleme in der Welt zeigen. Daraufhin greifen selbst die Kinder zum Telefon, um ein paar Euro von ihrem Taschengeld zu spenden. Am Ende der Show – ich wiederhole es noch einmal >Show<, werden dann stolz die Einnahmen präsentiert. Dann ist die Show vorbei und man geht zu Bett oder guckt etwas anderes. Spätestens am nächsten Tag denkt kein Mensch mehr an das Elend dieser Welt, an Hilfebedürftige, an Not und Leid. Wir haben auch schließlich Weihnachten und da geht es darum möglichst noch eben schnell die letzten Geschenke zu besorgen und andere, stressige Angelegenheiten zu erledigen.

Es ist gut, die Dinge zu hinterfragen. Gerade diese Spendengalas sind in meinen Augen recht zweifelhaft. Lassen Sie uns einmal genauer hinschauen.

Das Elend dieser Welt und die Not der Menschen existieren 24 Stunden pro Tag und 365 Tage im Jahr und zwar jedes Jahr ohne Ausnahme. Elend und Not hängen zu einem großen Teil mit der menschlichen Gier, mit Gewinnsucht, Gewinnmaximierung und Ausbeutung zusammen. Einer muss schließlich bezahlen, damit es anderen erheblich besser geht. Wir leben weltweit in einem System, was den Reichtum weniger Einzelner auf dem Rücken sehr vieler fördert. Dieses System kann nicht als fair bezeichnet werden. Es hat eher etwas mit Sozialdarwinismus zu tun. Nun, der zweite großte Teil, der für das Elend verantwortlich ist, sind die Betroffenen oft selbst. Es finden keine Lernprozesse statt. Traditionelle Überlebensstrategien werden beibehalten, obwohl sie heutzutage das Gegenteil bewirken. Die überlebenswichtige Anpassung an aktuelle Gegebenheiten gibt es nicht. Solange diese beiden Hauptursachen für Elend und Not nicht beseitig werden, gibt es keine echte Besserung der Zustände, sondern im besten Fall eine kurzfristige Leidminderung.

Das ist leider aber nicht alles. Heutzutage sind Spenden eine lukrative Art Geschäfte zu machen, reich zu werden. Vielleicht haben Sie auch schon davon gehört, dass es bezahlte Spendenjäger gibt, die locker bis zu 50% der gewonnenen Spenden als Provision einbehalten können. Manche Organisationen sind auch so aufgebläht, dass nahezu alle Gelder direkt in der Organisation landen und nur wenige Prozente im einstelligen Bereich überhaupt weiterfließen. Mein persönliches Highlight sind Charity-Ladys, die inklusive TV Reportage einen Gala-Abend machen, – mit allem drum und dran, wie Kaviar, Champagner, Party, etc. und dann kommt heraus, dass dieser ganze Spaß inklusive Übernachtung im Luxushotel und Anfahrt voll von den eingenommenen Spenden finanziert wird. Ja, und wenn noch etwas übrig bleibt, dann kriegen es die Armen, die Bedürftigen.

Nochmal zurück zu den Spendengalas im Fernsehen. Im Publikum sieht man dann oft Promis, Schauspieler, Sportler, etc. Sie werden dann auch gebeten etwas zu spenden. Ja, und großzügig wie sie nun einmal sind, spenden sie mal eben 1000 Euro oder vielleicht 5000 Euro oder mehr. Der Zuschauer ist ganz entzückt und denkt, wie toll doch diese Menschen sind. Betrachten wir das Ganze einmal nüchtern, so können wir feststellen, dass diese Summen für die Promis in der Regel weniger als Peanuts sind. Wenn ein Sportler schon zig Millionen pro Jahr verdient oder ein Schauspieler, Moderator hunderttausende, – was sind dann die 1000 Euro? Nichts. Und er kann sie noch offiziell als Spende von der Steuer absetzen. Wenn aber ein Kind 20 Euro von seinem Taschengeld spendet, dann ist das umgerechnet so als würde ein Sportler vielleicht 1-2 Millionen spenden. Oder anders herum wäre die Spende von einem Multimillionär mit Centbeträgen beim Kind vergleichbar. Da werden auf Deutsch die armen Schweine wieder zur Kasse gebeten, während die reichen Säcke nur den Dreck unter ihren Fingernägeln spenden. (Nur wenn man sein Geld auch behält, bleibt man reich und wird noch reicher.)

Neben diesem ganzen Kasperle Theater ist es aber noch schlimm, dass es nicht einen Hauch von Masterplan gibt, um wirklich effektiv und langfristig etwas zu verändern. Es ist leider auch absolut nicht im Interesse etwas zum Positiven zu verändern. Elenden und Not sind ein Teil des Systems, ein Teil der Geld bringt und Reiche reicher macht. So ist es wieder zweckmäßig zu Weihnachten ein paar Spenden einzusammeln, um sein Gewissen zu beruhigen. „Wir haben ja alles menschenmögliche getan! (Und jetzt lasst uns weiterfeiern!)“

Wenn Sie auch der Meinung sind, dass wir Menschen eine gewisse Verantwortung für unser Leben und die Zustände auf unserer Erde tragen, dann ist es an der Zeit umzudenken, sich zu besinnen, aktiv zu werden.

Wenn Sie denken, dass es Sinn macht als Mensch auch für andere Menschen einzutreten und einen Beitrag zu leisten, damit unsere Welt menschlicher und lebenswerter wird, dann ist es gut, wenn Sie sich Ihr ganz individuelles Projekt suchen, wo Sie sich engagieren können.

Kein Mensch verlangt Wunder oder Selbstaufopferung von Ihnen. Wenn jeder einen kleinen Teil für eine bessere Welt, für mehr Lebensfreude und Glück beiträgt, dann haben wir bald paradiesische Zustände auf der Erde. Es liegt nur an uns etwas zu bewegen, etwas zu verändern.

Ich engagiere mich in vielfacher Weise, mit meinen Möglichkeiten, meiner Bildung, meiner Zeit. Z. B. unterstütze ich meinen Freund Tardif in Kamerun, damit er seine eigene Heilpraxis eröffnen kann, von der er schon seit Jahren träumt. Und so helfe ich nicht nur ihm, sondern auch seiner Familie und unzähligen Menschen, die durch ihn Heilung erfahren werden. Ich tue dies, weil ich weiß, dass es richtig ist, dass es Sinn macht, dass es gut ist, – nicht für mein Gewissen oder mein Ego.

Finden Sie Ihr eigenes, ganz persönliches Projekt, wo Sie genau wissen, dass es sinnvoll ist und richtig, – egal was es ist.

Vielleicht möchten Sie auch mich und Tardif unterstützen. Wir brauchen jede Hilfe, – unabhängig von Weihnachten oder großen Organisationen. Vielleicht finden Sie es auch sinnvoll einfach 5 Euro für Tardif zu spenden. Jeder Euro zählt.

Wenn Sie möchten, dann schauen Sie doch einmal auf unsere Seite: http://www.gofundme.com/1e616w

Sie können auch selbst ein sogenanntes Crowdfunding starten. Probieren Sie es einfach!

Machen Sie das Beste aus Ihrem Leben! Und wenn Sie möchten, dann helfen Sie auch anderen das Beste aus ihrem Leben zu machen. Geteiltes Glück ist doppeltes Glück, wie es so schön heißt.

 

PS: Bitte passen Sie gut auf Ihr Gewissen auf und lassen Sie sich nicht allzusehr manipulieren. Das Gewissen wird oft so nur kurzfristig beruhigt. Langzeiteffekte erzielen Sie anders.

 

 

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Realitätenwechsel

Stellen Sie sich einmal vor, Sie befinden sich in einer Talkshow, in der es um Realität, Träume und Wahrnehmung geht. Nun fragt Sie der Moderator, ob Sie sich eher als Träumer oder Realisten sehen. Wahrscheinlich würden Sie antworten „Ja, ich stehe mit beiden Beinen im Leben. Ich bin ein realistischer Mensch und überhaupt gibt es nur in einer Realität. Realität ist schließlich absolut und nicht relativ.“

Wir Menschen sind heutzutage alle realistisch und unser wissenschaftlich geschulter Verstand sieht ja nur die Realität, weil alles andere bekanntlich nicht existiert.

Tatsächlich ist es nicht so einfach. Tatsächlich lebt jeder Mensch in seiner ganz eigenen Realität. Realität hängt nämlich von der Wahrnehmung der Umwelt und der eigenen Persönlichkeit ab. Die Wahrnehmung ist stets gefiltert und damit individuell. Unsere Gedanken, Gefühle und Erfahrungen interpretieren, was wir wahrnehmen und wirken so wie eine Brille mit farbigen Gläsern. So wird ein und dieselbe Situation von verschiedenen Menschen auch ganz verschieden wahrgenommen und zu einer eigenen Realitätserfahrung. Und so entstehen auch verschiedene, manchmal widersprüchliche Auffassungen von ein und derselben Sache. Unterschiedliche Auffassungen können Menschen inspirieren und ihre Wahrnehmung erweitern. Oft führen sie aber zu Streit und Problemen, weil zwei unterschiedliche Realitäten eigentlich nicht nebeneinander existieren können. Es gibt bekanntlich ja nur die eine Realität, zumindest meint man das. Was der eine schön findet, findet der andere häßlich. Wer hat nun recht? Jeder hat aus seiner Sicht recht, da es einfach individuelle Interpretationen einer neutralen, absoluten Wirklichkeit sind.

Wenn man einmal darüber nachdenkt, kann es einem das Leben sehr erleichtern. Man muss dann nicht immer Recht haben, den anderen von seiner Realität, seiner Wahrnehmung überzeugen. Man kann dann einfach sagen „Du siehst das so und ich eben anders!“ Andererseits kann man versuchen, dem anderen seine Sichtweise zu erklären, verständlich zu machen und auch die Haltung des anderen verstehen zu wollen. So ergibt sich oft ein umfassenderes Bild der Wirklichkeit.

Probleme im Leben entstehen oft, wenn die eigene Wahrnehmung der Wirklichkeit, – ihre persönliche Interpretation mit Filter – weit entfernt ist von der absoluten Realität. Stellen Sie sich einmal vor, es ist gerade Frühling, die Sonne scheint, alles ist super und zu Ihrem großen Glück kommt eine tolle Frau bzw. ein toller Mann an Ihnen vorbei und Sie fühlen sich total verliebt und sehen nur noch alles durch Ihre rosarote Brille. Durch diese Brille filtern Sie alle negative Informationen weg, sehen alles nur noch positiv und übersteigern sogar noch vermeintlich positive Wahrnehmungen. Sie fangen an Ihren Schwarm zu stalken und merken gar nicht, dass er nichts von Ihnen will. Irgendwann wird es ihm zuviel, er wird sauer und sagt, dass Sie aufhören sollen, ihn zu verfolgen. Plötzlich fallen Sie aus allen Wolken. Ihre rosarote Brille verfärbt sich schwarz und Ernüchterung tritt ein. Sie ärgern sich über sich selbst und fragen sich, wie Sie nur so falsch liegen konnten. Das nur als ein Beispiel.

Jetzt überlegen Sie mal, wie oft Sie schon aus allen Wolken gefallen sind, wie oft Sie ent-täuscht wurden, weil Ihre Wahrnehmung der Realität nicht mit der echten Wirklichkeit übereingestimmt hat.

Praktisch kann man nur eins machen – nachfragen, kommunizieren, sich mehr Informationen beschaffen, die Leute fragen, ob Ihre Wahrnehmung richtig ist. So lassen sich Mißverständnisse recht schnell und einfach auflösen und schwere Enttäuschungen bleiben einem erspart.

Aber es gibt noch andere Realitäten, Realitäten, in denen Menschen verloren gehen, stecken bleiben, sich verstecken.

Es gibt z. B. Menschen, die in ihrer Vergangenheit leben oder in der Zukunft. Damals war alles besser oder morgen wird es besser sein. Heute besteht das Leben nur aus Routine, Pflicht und Trostlosigkeit. Geistig und seelisch haben sich diese Menschen in die Realität der Vergangenheit zurückgezogen, – als Selbstschutz und als Quelle für Lebensfreude. Die Gegenwart gibt ihnen nichts. Ältere Menschen leben gerne in der Vergangenheit, um der Einsamkeit im Altersheim zu entkommen. Aber auch Menschen, die eine kritische Lebensphase durchmachen, ziehen sich gerne zurück in eine Welt, wo noch alles gut und in Ordnung war oder wo alles gut sein wird. Die Zukunft kann Hoffnung schenken, – auf bessere Zeiten und mehr Glück.

Besonders schlimm ist es, wenn Menschen ein traumatisches Erlebnis hatten und sich geistig-seelisch daraus nicht mehr befreien können. Sie erleben diese Realität immer wieder, sind in ihr gefangen und verlieren den Bezug zur Gegenwart. Opfer von Kriegseinsätzen, von Vergewaltigungen, von körperlicher und seelischer Gewalt allgemein sind oft gefangen in Endlosschleifen der brutalen Geschehnisse und können sich ihnen nicht entziehen. Es ist ihre Wirklichkeit, ihre Realität, auch wenn sie tatsächlich schon Jahre zurückliegt.

Kinder bewegen sich oft in anderen Realitäten. Dies kann schön und lustig sein, aber auch befremdliche, Angst einflössende Formen annehmen.

Dann kann man sich fragen, was ist überhaupt Realität? Älteste und neuste Forschungen gehen von einem multidimensionalen Universum aus mit mehreren Ebenen von Realität und der allumfassenden, absoluten Realität in der alle relativen Realitäten enthalten sind.

Überlegen Sie einmal, in welcher Form von Realität Sie und Ihre Mitmenschen sich wirklich befinden. Falls nötig, wechseln Sie einfach Ihre Realität. Nur wenn Sie in der Gegenwart leben, können Sie Ihre Zukunft positiv gestalten. Und nur, wenn Sie Ihre Vergangenheit loslassen, können Sie sich an der Gegenwart erfreuen.

Der menschliche Geist ist raum- und zeitlos, kann sich überall hinbegeben und seine Realität selbst gestalten.

Je mehr wir in der Gegenwart leben, desto besser können wir unser Leben selbst bestimmen und gestalten.

Machen Sie das Beste aus Ihrer Realität!

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