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Kinder ohne Kindheit

Sie haben bestimmt schon von Kinderarbeit gehört oder entsprechende Bilder gesehen. Z. B. sitzt da ein kleines halbnacktes Mädchen in einem Steinbruch in Indien mit seinem kleinen Bruder und beide hauen mit einem Hammer Steine klein, damit sie später als Schotter dienen. Wenn man solche Bilder sieht, dann wird einem ganz anders. Kinder, die noch zu klein für den Kindergarten sind, arbeiten jeden Tag im Steinbruch. Sie haben keine echte Kindheit. Stattdessen sind sie kleine Schwerarbeiter, die schon frühzeitig ihre Gesundheit ruinieren. Wir im Westen können das nicht verstehen. Wir sind entsetzt. In armen Ländern sind die Familien aber oft darauf angewiesen, dass selbst schon die Jüngsten zum Unterhalt etwas beitragen. Da müsste man die Einkommenssituation der Erwachsenen verbessern, damit die armen Kinder nicht mehr arbeiten.

Während wir uns zu Recht über solche Zustände aufregen, übersehen wir, wie es unseren eigenen Kindern mittlerweile geht. Unsere Kinder müssen zwar nicht im Steinbruch schufften und sie müssen auch nichts zum Unterhalt der Familie beitragen, aber sie haben inzwischen auch einen langen Arbeitstag wie Erwachsene, kaum noch Freizeit und auch nicht mehr die Freiheit Kind zu sein, eine unbeschwerte Kindheit zu erleben.

Was ist geschehen? Unsere Kinder sind auch schon in der Maschinerie der Leistungsgesellschaft angekommen. In der Leistungsgesellschaft liegt der Fokus auf der Leistung, nicht auf dem Menschen. Der Mensch wird als „human resource“ gesehen, wie ein Rohstoff, ein Produkt, ein Mittel zum Zweck, ein Mittel zum Geldverdienen, zur Gewinnmaximierung. Ein Mensch definiert heutzutage seinen Wert durch die Leistung, die er bringt. Diese Veränderung der Wahrnehmung, der Sichtweise hat für viele, aus meiner Sicht negative Veränderungen in der Gesellschaft geführt.

Können Sie sich vorstellen, dass vor langer Zeit Kinder als etwas Schönes, Erfreuliches, Wertvolles betrachtet wurden, als ein großer Schatz, als größtes Glück? Heute sind Kinder potentieller Steuerzahler, human resources, die die Rentenkassen auffüllen sollen und ansonsten nur Kosten verursachen, allgemein nur stören und Frauen von der Arbeit abhalten. Kinder sind lästige Übel, die möglichst schnell in die Maschinerie integriert werden müssen, damit sie Nutzen bringen.

Kinder oder die „Produktion“ von Kindern wird heutzutage nicht aus Freude an der Sache gefördert, sonder nur aus dem volkswirtschaftlichen Interesse heraus. Wir brauchen Steuern. Wir brauchen Steuerzahler. Wir brauchen Arbeiter. Wir brauchen Leistung.

Aus dieser Sichtweise wird es klar, dass ein gesundes, normales Familienleben und die Betreuung der Kinder durch die Mutter bzw. der Eltern nicht wünschenswert sein kann. Es ist eine Vergeudung von Geld, Zeit und Arbeitskraft. Stattdessen ist es wünschenswert schon den kleinsten Kindern das korrekte Verhalten in der Leistungsgesellschaft beizubringen, denn nur wer etwas leistet, hat auch einen Wert. So sollen Kinder möglichst früh „gefördert“ werden, möglichst früh schon Fremdsprachen lernen oder im Kindergarten Sachen beherrschen, die sie dann in der Grundschule wiederholen.

Am wichtigsten ist jedoch, dass die Mutter möglichst frühzeitig nach der Geburt wieder in ihren Job zurückkehrt. Das Hamsterrad muss sich schließlich weiterdrehen. Da ist es dann auch egal, ob das eigene Kind mit 30 anderen Kindern um die so wichtige Aufmerksamkeit und „Zuwendung“ durch die Erzieherin kämpfen muss. Zuwendung, Liebe und Verständnis sind zwar ausgesprochen wichtig für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit, aber sie müssen eben der Maschinerie und dem Ideal der Leistung untergeordnet werden. Und hinterher wunder man sich dann über Verhaltensauffälligkeiten und andere Störungen in der Schule, aber dafür gibt es ja Psychopharmaka.

Zu dem Druck durch die Gesellschaft kommt noch der Leistungswahn vieler Eltern. Was sie selbst nie gemacht hätten, nie geschafft haben, dass sollen dann ihre Kinder für sie verwirklichen. Mit 3 Jahren schon mal Französisch lernen oder noch besser direkt Chinesisch, dann bald darauf mit Klavier spielen, Tennis oder besser Golf anfangen, usw. Je mehr desto besser. So starten schon die Kleinsten in ihren Arbeitstag früh morgens, werden in der Kita bespaßt und im schlimmsten Fall abends irgendwann abgeholt. Leckers Essen gibt es natürlich in der Kita – in der Regel ein sehr kostengünstiges Essen mit zweifelhaften Inhalt. (Während meiner Studienzeit nannten wir so etwas „Mampf mit Soße“, wobei die Soße existenzielle Bedeutung hatte, weil man sonst den Mampf nicht runter bekam. Mampf war die Bezeichnung für das „unbekannte Etwas“ auf dem Teller, dem die Soße erst Geschmack verlieh.) Ja und wenn die Kinder dann abends mal zu Hause angekommen sind, dann müssen sie eben noch für ihre „Hobbys“ üben. So haben schon die Kleinsten ihren 8-10 Stunden Tag – warum auch nicht? Oder?

Nach der Kita kommt der Kindergarten, danach die Grundschule und so weiter. Alles möglichst mit ganztäglicher „Betreuung“. Was bleibt da noch von der Kindheit? Von der Jugendzeit? Nichts!

Anstelle der glücklichen, unbeschwerten Kindheit erleben die Kinder dann all die guten Seiten der Leistungsgesellschaft wie Leistungsdruck, Stress, Mobbing, Aggressionen, Minderwertigkeitskomplexe, Panik, Angst, Erschöpfung, Depressionen und sonstige affektive Störungen, Verhaltensauffälligkeiten, etc. Ja, so werden sie effektiv auf ihr späteres Leben vorbereitet, inklusive dem Wissen wie oft man welche Tabletten für welche Anwendungsgebiete einnehmen muss. Als Ausgleich gibt es schließlich Internet, Handys, Spielekonsolen und TV Geräte. Was kann ein Kind mehr wollen?

Über die unbeschwerte Kindheit kann man dann vielleicht einmal später ein gutes Buch lesen oder sich einen Film von Astrid Lindgren anschauen, – damals als Kinder tatsächlich (sogar) miteinander (!) gespielt haben und das noch in der Natur (!) – unvorstellbar, nicht wahr?!

Ehrlich gesagt, mich wundert es, dass nicht schon längst Kinder künstlich gezüchtet oder geklont werden, wie unsere Hochleistungs-Milchkühe für maximale Leistung, maximalen Ertrag. Das wäre doch die beste Lösung. Kinder könnten kostengünstig in Fabriken gezüchtet und ideologisch korrekt ausgebildet werden, so dass sie zu bestens funktionierenden Arbeitern und Steuerzahlern werden. Da braucht man keine Eltern mehr. Falls Paare noch ein Bedürfnis verspüren ein eigenes Kind zu haben, da können sie genauso gut entsprechenden Psychopharmaka einnehmen, sich einen neuartigen Robotermenschen kaufen oder halt das bewährte Haustier halten.

Das Leben kann so einfach sein – aus Sicht unserer „Human Resources Verwalter“.

Ich persönlich bin noch in Freiheit groß geworden und wünsche dies auch mal meinen eigenen Kindern. Ich hoffe, Sie gönnen Ihren Kinder auch eine unbeschwerte Kindheit, soweit das heutzutage noch möglich ist.

Vielleicht erleben wir eines Tages eine Gesellschaft, wo der Mensch im Mittelpunkt steht. Dann brechen für uns alle paradiesische Zeiten an.

Bis dahin können, sollten, müssen wir uns für positive Veränderungen einsetzen, zum Wohl unserer Kinder.

Machen Sie wie immer nur das Beste aus Ihrem Leben!

 

PS: Haben Sie sich schon mal gefragt, wie man auf die Idee kommt, dass Kinder täglich stundenlang auf unbequemen Stühlen in der Schule still sitzen müssen und warum es für manche Menschen unvorstellbar ist, dass Kinder einen Bewegungsdrang haben und lieber draußen herumtoben möchten? Aber zum Glück gibt es ja Beruhigungmittel für Kinder.

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Infantile Bewältigungsstrategien Teil I – Der Weltuntergang

Infantile Bewältigungsstrategien gehören zu meinen Lieblingsthemen, da ich sie äußerst faszinierend finde – wie Spock sagen würde. Nun was sind überhaupt „Infantile Bewältigungsstrategien“? Es sind Strategien mit Problemen mehr oder weniger erfolgreich umzugehen, die wir uns in unserer Kindheit ausgedacht oder irgendwie entwickelt haben. Was in der Kindheit vielleicht so einigermaßen funktioniert hat, funktioniert für uns Erwachsene nun nicht mehr. Trotzdem halten wir gerne daran fest, insbesondere, wenn uns nichts besseres einfällt oder wir uns vom Schicksal überrumpelt fühlen. Das Problem mit den infantilen Bewältigungsstrategien ist, dass sie einmal nicht wirklich funktionieren und zum anderen noch größere Probleme verursachen. Sie stellen eine Art Vermeidungsverhalten dar, sich wirklich mit einer problematischen Situation auseinanderzusetzen und eine echte Lösung zu erreichen. So wachsen die Probleme bis es irgendwann zu einem großen Knall kommt und massiver Schaden entsteht.

Ein kleines Beispiel: Wenn Sie als Kind sich die Augen zu halten, dann sind Sie nach kindlicher Logik unsichtbar – Sie sehen nichts und deshalb können Sie nicht gesehen werden. Logisch! Nun fällt beim Spielen eine Vase runter, Sie halten sich die Augen zu, sind unsichtbar und keiner kann nachverfolgen, dass Sie die Vase umgeworfen haben. Das ist die „Ich bin gar nicht da“-Logik. Auch als Erwachsener können Sie sagen „Ja, ich war gar nicht da, hab gar nichts gesehen, nichts gehört, etc.“ oder „Ich weiß von nichts, meine Name ist Hase.“ (Bugs Bunny) Wenn etwas Schlechtes oder Schlimmes passiert ist und Sie ignorieren es einfach, dann wird die Situation dadurch nur schlimmer, nicht besser. Als Erwachsener müßte man eingreifen und die Angelegenheit bestmöglich bewältigen.

In meiner kleinen Reihe über infantile Bewältigungsstrategien möchte ich einige dieser Verhaltensweisen vorstellen, hinterfragen und alternative Strategien aufzeigen. Wer an seinen infantilen Bewältigungsstrategien gerne festhalten möchte, sollte daher diese Blogreihe nicht lesen. Für alle anderen werden sich ein paar Aha-Effekte einstellen.

Teil I – Der Weltuntergang:

Vor ein paar Tagen hatten wir mal wieder einen Weltuntergang, der (leider/wie immer) nicht funktioniert hat. Haben Sie sich mal überlegt, wie man auf die Idee kommen kann, auf einen Weltuntergang zu hoffen, zu warten? Sind das nicht Zeichen schwerster Depressionen, wenn der eigene Suizid nicht mehr ausreicht und gleich die ganze Welt untergehen muss, damit es einem besser geht? Ist das nicht krank? Ein Fall für den Psychiater? Für die stationäre Aufnahme und Dauermedikation? Denken Sie einmal darüber nach. Tatsächlich sollten sich alle Lebewesen nach dem Leben sehnen, nach einem erfüllten, glücklichen Leben, nach Lebensfreude. Und was machen die Menschen? Sie sind Miesepeter. Sie erwarten den Untergang.

Und warum? Jetzt kommen wir zu den äußerst interessanten Ursachen. Es ist ganz einfach. Die Menschen haben erkannt, dass ca. 10% sich absolut mies verhalten, andere ausbeuten, etc., 80% mal gut mal böse sind und nur 10% als absolut gut zu sehen sind. Das heißt, vereinfacht gesagt, 90% aller Menschen sind mehr oder weniger Egoisten, die in erster Linie nur an sich selbst denken und auf Kosten der anderen wirtschaften. Anders ausgedrückt: „Die Welt ist schlecht und muss deshalb zwangsläufig untergehen!“ So, deshalb die miese Grundstimmung und der Schrei nach Weltuntergang und jüngstem Gericht mit Bestrafung durch Gott.

Was bedeutet das denn? Der Mensch sagt „Gut, wir sind hauptsächlich miese Egoisten, wir denken nur an uns selbst, beuten die Welt aus, betrügen uns gegenseitig. Wir wissen, dass das alles nicht in Ordnung ist – aber wir sind eben so und lehnen jede Verantwortung ab. Deshalb brauchen wir Gott bzw. Jesus, damit er für Gerechtigkeit und Ordnung sorgt – irgendwann einmal, wenn der Weltuntergang gekommen ist. Bis dahin arbeiten wir weiter fleißig am Untergang, damit Jesus schneller kommt und die Welt in ein Paradies verwandelt.“ Logisch, – nicht wahr?! Hier haben wir wieder eine dieser wundervollen infantilen Bewältigungsstrategien.

In der Tat ist es der Ruf nach einem Erwachsenen (Jesus), der für Ordnung sorgt, für das Chaos, was die Kinder (Menschen) angerichtet haben. Die Kinder (Menschen) zeigen sich überfordert, lehnen jede Verantwortung ab – „der Teufel hat uns geritten, wir sind unschuldig, wir konnten nicht anders“ und Papa (Gott/Jesus) solls wieder richten. Kinder sind so und haben eben ihre eigene kindgerechte Logik. Nur funktioniert sie nicht, weil sie an der Realität vorbeigeht. Deswegen haben wir auch nie einen Weltuntergang und deshalb können wir noch sehr lange warten, bis Jesus oder ein anderer Erwachsener kommt, um die Welt in ein Paradies zu verwandeln.

Wie sähe denn eine Alternative aus? Der Mensch könnte sagen „Gut, wir haben uns über Jahrhunderte echt mies verhalten, aber wir können aus unserem Fehlverhalten lernen, positive Werte aufstellen, an denen wir unser Leben und Handeln orientieren wollen. Wir können die Schäden, die wir verursacht haben, wieder beheben. Wir können selber Verantwortung für uns und unser Verhalten übernehmen (da es auch niemand anderen gibt) und wir können selbst unsere Welt schön gestalten, so dass wir alle mit Freude leben.“

Na, das wäre doch mal ein Ansatz.

In letzter Zeit hat der atheistische Materialismus vermehrt den Platz der Religion eingenommen – auch ein Zeichen für den Weltuntergang. Interessanterweise wurde aber an der Idee der Weltrettung festgehalten. Anstelle des Messias ist nun Superman getreten, der die Bösen richtet und den Guten zum Sieg verhilft. Ja, und wir haben nicht nur Superman, sonder auch Superwoman und eine ganze Schar von Weltrettern, die auch alle ganz genau in allen Einzelheiten in Comics dargestellt und festgehalten werden. So wartet auch der Atheist, der Materialist, der Ungläubige auf jemanden, der ihm die Verantwortung für sein Leben abnimmt und für ihn sozusagen die Drecksarbeit erledigt. Warum soll man denn auch seine eigene Suppe auslöffeln, wenn es ein Messias oder Superman viel besser machen kann?!

In diesem Zusammenhang fällt mir noch so eine „tolle Idee“ ein. Manche Menschen glauben daran, dass Jesus von Gott, seinem Vater auf die Erde geschickt wurde, damit er für all die Sünden der Menschen stellvertretend gequält und getötet wird. Er übernimmt als Opferlamm die Bestrafung. Toll, nicht wahr? D. h. wir brauchen nicht nur einen Weltretter, sondern auch noch einen Sündenbock, der all die Strafen übernimmt, die eigentlich für uns selbst gedacht waren. Wiederum eine wunderbare, infantile Bewältigungsstrategie „Ich habe Mist gebaut, aber soll doch der unschuldige XY dafür büßen!“ Die Krönung des ganzen ist noch, dass es nicht irgendein armer Mensch ist, der zum Sündenbock gestempelt wird, sondern der Sohn Gottes in seiner Reinheit und Majestät persönlich. Ich glaube, wenn ich Gott wäre, hätte ich da doch eher noch mal mindestens eine weitere Sintflut über solche Menschen geschickt, anstatt mein eigenes Kind zu opfern. Was meinen Sie? Was hätten Sie gemacht? Finden Sie so etwas gerecht oder sinnvoll?

Übrigens, es gibt wirklich religiöse Menschen, die aktiv und bewusst am Weltuntergang arbeiten, um das Erscheinen des Messias zu beschleunigen. Wahnsinn, nicht wahr?! Natürlich damit wir hinterher das Paradies auf Erden haben. Logisch?!

Während viele Menschen auf den nächsten Zeitpunkt eines eventuellen Weltuntergangs warten, warte ich darauf, dass mehr und mehr Menschen erwachsen werden, die Verantwortung selbst in die Hand nehmen und anfangen, die Dinge zum Positiven hin zu verändern. Denn irgendwann ist es wirklich einmal zu spät und sehr wahrscheinlich kommt dann keiner, – weder Jesus noch Superman und auch keine Außerirdischen.

„Wir sind die, auf die wir schon immer gewartet haben!“ lautet eine Sprichwort.

In diesem Sinne – machen Sie das Beste aus unserem Leben!

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