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Der Ursprung des Burn-Out-Phänomens

Das Burn-Out-Phänomen ist so „neu“, dass es noch nicht als offizielle Störung psychopathologisch in der ICD-10, der „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ erfasst wurde. Wahrscheinlich wird dies aber noch zeitnah geschehen. Bis dahin kann deshalb auch keine offizielle Diagnose „Burn-Out“ gestellt werden.

Bekannt ist das Erschöpfungssyndrom, dass im rein psychischen Bereich ein Ausdruck von länger andauernder Überlastung bzw. Überforderung darstellt und mit einer depressiven Symptomatik einhergeht. „Burn-Out“ ist aber nicht das gleiche. Beim Burn-Out-Syndrom steht am Anfang ein übermäßiger Leistungswille und Arbeitseinsatz, in der Regel im beruflichen Kontext. Auf Deutsch heisst das, der Betroffene „brennt“ richtig für seinen Job, ist hoch engagiert, macht Überstunden, ist immer bereit auch die schwierigsten Aufträge zu übernehmen und zeigt sich so gegenüber Vorgesetzten als idealer Mitarbeiter. Der Betroffene zeigt also ein überdurchschnittlich hohes Leistungsniveau. Viel Leistung bedeutet auch einen hohen Verbrauch an Energie und damit die Notwendigkeit einer hohen Energiezufuhr. Nun sind die menschlichen Energiereserven relativ beschränkt und man muss ständig „nachtanken“. Und normalerweise tankt man auf durch Pausen, Freizeitausgleich, Partnerschaft, Familie, Sport und Hobbys.

Im Normalfall hält der Mensch ein angemessenes, normales Leistungsniveau in seinem Job, – ohne ständige Überstunden, ohne Sonderaufträge und ohne übermäßigen Zeit- und Leistungsdruck. Dieses normale Niveau lässt sich gut über viele Jahre kontinuierlich halten und im Ausnahmefall können so auch Leistungsspitzen bewältigt werden. Parallel schöpft er neue Kraft durch genügend Pausen, durch Freizeit, durch seine Familie und Freunde, und im besten Fall noch durch gesunde Ernährung und Ausdauertraining. So schliesst sich der Energiekreislauf und so wird das Leistungsniveau gehalten.

Anders sieht es bei dem Burn-Out-Syndrom aus. Der Betroffene verbrennt all seine Energiereserven, ohne genügend Energie nachzutanken, bis er dann schließlich nach einigen Wochen oder Monaten völlig ausgebrannt ist. Die überdurchschnittliche Leistungsfähigkeit ist nicht mehr da, ganz im Gegenteil, – er baut so weit ab, dass er nur noch unterdurchschnittliche Leistung bringt und am Ende gar keine mehr. Das zieht natürlich erhebliche Folgen nach sich. Die Probleme mit Vorgesetzten und Kollegen werden immer größer. Oft versuchen die Betroffenen durch ungesunde Copingstrategien die Situation zu bewältigen, – mit übermäßigen Genuss von Kaffee, Alkohol, Zigaretten, vielleicht auch mit Missbrauch von Medikamenten. Der Missbrauch von leistungsstärkenden und stimmungshebenden Substanzen verlängert die Leistungsfähigkeit einige Zeit, führt aber zu einem noch intensiveren Abbau der psychischen und körperlichen Gesundheit. Am Ende geht gar nichts mehr und der Betroffene fühlt sich vollkommen ausgebrannt, leer, wahrscheinlich schwer depressiv mit Suizidgedanken, sozial zurückgezogen, isoliert, weil er alles seinem Job geopfert hat. Da hilft dann nur noch die stationäre Aufnahme und Betreuung mit entsprechender Therapie.

Woher kommt nun diese Idee, man müsse überdurchschnittliche Leistung bringen, sich total verausgaben und sein normales Leben dem Job opfern?

Diese Idee ist nicht normal. Sie spiegelt einen übermäßigen Ehrgeiz, Leistungswillen, einen überhöhten Antrieb. Sie hat auch eine Tendenz zu Größenwahn bzw. zur Manie, zur Selbstüberschätzung: „Ich kann alles. Ich schaffe alles. Ich brauche keine Pausen. Ich bin Superman!“ Es ist eine verzerrte Selbstwahrnehmung der eigenen Leistungsfähigkeit, gekoppelt mit dem oft ebenso verzerrten, überhöhten Leistungsanspruch von Vorgesetzten.

So ist das Burn-Out-Phänomen ein Resultat unserer Leistungsgesellschaft, die einen sehr einseitigen Schwerpunkt auf „Leistung“ legt und andere, wichtige Aspekte des Lebens schlichtweg ignoriert und nicht würdigt. Wir sind heutzutage Opfer unseres eigenen Fortschritts, einem technischen Fortschritt, der uns suggeriert, dass wirklich alles möglich ist, – in immer kürzerer Zeit und immer besserer Qualität und höherer Quantität. Der Einzelne schafft heutzutage so viel, wie vielleicht 20 oder 50 Leute vor ein paar Jahrzehnten. Neben diesem unbewältigten technischen Fortschritt leiden die Menschen unter dem atheistisch-materialistischen Weltbild, dass sein Ideal der Gewinnmaximierung über alles stellt, – alles andere dafür opfert. Über Jahrtausende haben Kultur, Tradition und Religion für ein „menschliches“, ausgeglichenes Leben gesorgt, wo es ganz selbstverständlich war, Ruhephasen einzuhalten und die freie Zeit kulturell zu nutzen. Auch Familie und soziale Zusammengehörigkeit hatten einen hohen Stellenwert. Die Arbeit war gut organisiert und die Freizeit ebenso. Der Ausgleich war vorhanden und der Energiekreislauf hat funtioniert.

Heutzutage ist nichts mehr davon übrig geblieben. Der kulturelle, traditionelle und religiöse Reichtum ist verschwunden. Wir haben heute eine „Industriekultur“, die mit echter Kultur nichts mehr gemeinsam hat, im Gegenteil eher eine Verhöhnung darstellt. Das bißchen an qualitativ fragwürdiger Kultur wird heutzutage mehr und mehr zusammengestrichen. Freizeitanlagen, Freibäder, Hallenbäder, Veranstaltungen – sie kosten ja nur und werfen keinen Gewinn ab und die Städte sind ja alle pleite. Auf der anderen Seite wundern sich die Verantwortlichen, warum immer mehr Menschen krank sind.

Es gibt nur einen Ausweg – mehr Balance im Leben, mehr echte Werte, mehr Kontrolle über sogenannten Fortschritt und mehr Menschlichkeit.

Heutzutage sind wir reich an technischem Spielzeug, aber völlig verarmt als Menschen. Denken Sie einmal darüber nach.

Machen Sie das Beste aus Ihrem Leben – verzichten Sie auf die Burn-Out-Erfahrung! Bereichern Sie Ihr Leben mit allem, was wirklichen Wert besitzt!

 

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