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Vergewaltigung – die Frau als Opfer von Tradition und Gesellschaft

Vor wenigen Tagen ging die Nachricht um die Welt, dass eine junge Frau in Indien von mehreren Männer schwer misshandelt und vergewaltigt wurde. Sie erlag kurze Zeit später ihren schweren Verletzungen. Die Welt ist schockiert.

Gestern oder heute stand wurde von einem weiteren, ähnlichen Fall berichtet, der auch in Indien passiert ist.

Diese Geschehen stellen die Spitze des Eisberges dar, wo die komplexe Problematik sich mit all ihren Verstrickungen unter der Oberfläche im Dunkeln versteckt. Es geht hier nicht um 2 Einzelfälle, Misshandlung oder Vergewaltigung. Es geht um sehr viel tiefgehender Missverhältnisse, die durch diese Verbrechen förmlich nach Auflösung und Heilung schreien.

Ich wurde gebeten ein paar Worte zu dieser Thematik zu schreiben und möchte dies hier tun.

Sicherlich haben Sie sich schon gefragt, wie solche Verbrechen überhaupt geschehen können, wie ein Mensch zu so etwas in der Lage sein kann. Vielleicht haben Sie auch schon überlegt, dass die Männer alkoholisiert oder vielleicht im Drogenrausch waren oder vielleicht psychisch krank sind oder aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommen. Das sind alles berechtigte Überlegungen. Aber wie schon gesagt, die Problematik ist sehr viel tiefgehender.

An dieser Stelle möchte ich nicht auf die Psychopathologie der Täter eingehen, sondern auf zwei ganz wesentliche Probleme hinweisen, die den Nährboden für solche Verbrechen bilden.

Indien hat viele großartige Facetten, – kulturell, spirituell, geschichtlich, etc., aber leider wie alle anderen auch seine Schattenseiten. Ein wesentliches Problem ist die Stellung der Frau innerhalb der Gesellschaft. Die Frau hat in gewisser Weise einen geringeren Wert, bzw. der Mann wird überbewertet. Frauen kosten Geld, – insbesondere die eigene Tochter, für die die Familie viel Geld ausgeben muss, um sie zu verheiraten. Weil viele Menschen sich so ein Brautgeld nicht leisten können, wollen sie auch keine Töchter. So werden weibliche Föten abgetrieben oder weibliche Babys direkt nach der Geburt getötet. Die Folge ist, dass es zuwenig Frauen im Vergleich zu Männern gibt. Ein ähnliches Problem ist auch aus China bekannt. Frauen sind „Mangelware“ und werden teilweise sogar entführt, „geklaut“.

Die andere Seite des Problems ist die traditionelle Regelung von Liebe, Partnerschaft und Sex. In Indien ist es üblich vor der Ehe keine Partnerschaft und auch keinen Sex zu haben. Man heiratet ca. mit 25 – 35. Wer in dem Zeitraum noch keine Frau gefunden hat, wird im besten Fall zwangsverheiratet. Nun gibt es da sicherlich Gründe für dieses Vorgehen. Das Problem ist aber, dass diese Tradition nicht mehr zeitgemäß ist. Heutzutage gibt es Verhütungsmethoden, die alle Konsequenzen, die eine Schwangerschaft mitbringt, verhindern. Kinder brauchen geordnete Verhältnisse, Sicherheit, ein gesichertes Einkommen. Wenn das alles gegeben ist, dann ist es auch vernünftig und zu verantworten Kinder zu bekommen. Und diese Gedankengänge waren die Basis für das Heiratsalter und die Enthaltsamkeit vor der Ehe.

Biologisch sieht die Sache aber ganz anders aus. Jugendliche haben ein relativ großes sexuelles Bedürfnis und junge Erwachsene auch. Durch Geschlechtsverkehr werden diese Bedürfnisse, diese inneren Spannungen abgebaut und es findet eine Art Ausgleich zwischen Mann und Frau statt. Ohne Sex, ohne natürlichen Abbau der sexuellen Energien, bauen sich diese immer stärker auf. Dies kann dann zu einem Kontrollverlust führen, die in sexuellen Handlungen enden, welcher Natur auch immer. Im schlimmsten Fall in der rücksichtslosen Vergewaltigung von Frauen. Der Sexualtrieb ist dann übermächtig, der Verstand und das Gewissen schalten ab und eine impulsive Enladung findet statt. Dazu können sich auch noch aufgestaute, andere Gefühle wie Frustation, Aggressionen, Hass, etc. entladen. Gewalt ist die Folge.

Diese unnatürliche Enthaltsamkeit zeigt sich in Indien auch in dem Phänomen, dass Frauen in der Öffentlichkeit betascht werden. Offensichtlich stehen viele Männer in Indien aufgrund der gesellschaftlichen und traditionellen Umstände unter einem hohen sexuellen Druck, der sich wie ein schlafender Vulkan urplötzlich entladen kann.

Zwangsläufig wird das alles dazu führen, dass die Indische Gesellschaft ihre Vorstellungen von dem Wert der Frau und von Sex und Partnerschaft drastisch ändern muss. Die Zeiten haben sich geändert. Die Möglichkeiten haben sich geändert. Die Biologie ist über Jahrtausende gleichgeblieben. Nun muss sich auch das Verhalten ändern. Junge Menschen und Erwachsene müssen die Freiheit haben ihren Bedürfnissen nach Liebe, Partnerschaft und Sex nachzukommen. Traditionen sind nur so lange gut, wie sie auf der Höhe der Zeit sind und den Bedürfnissen von Mensch und Gesellschaft gerecht werden.

Das gilt nicht nur für Indien, sondern für viele Länder, die Probleme mit alten, überholten religiösen und traditionellen Vorschriften haben. Wir brauchen sinnvolle Reformen mit Respekt gegenüber den Menschen, der Gesellschaft und der Natur.

Denn nur so können wir alle das Beste aus unserem Leben machen.

 

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