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Angst, Stress und Unsicherheit, – alles hausgemacht!

Wer kennt sie nicht, die selbstgemachte Marmelade. Aber wußten Sie schon, dass Leistungsdruck, Ängste, Unsicherheiten und damit Mißerfolg in der Regel auch hausgemacht sind?

Das Rezept ist ganz einfach: Man nehme eine große Erwartungshaltung, die möglichst nicht der realen Situation entspricht, würzt sie mit einer ordentlichen Prise Perfektionismus und verfeinert das Ganze noch mit Wünschen von Dritten. Wer mag, kann noch Zeitdruck hinzugeben. Eine mangelhafte Vorbereitung und weitere Probleme können zum i-Tüpfelchen werden. Das mündet dann in einem echten Erlebnis, was man so schnell nicht vergisst.

Betrachten wir das Phänomen einmal genauer. Stellen Sie sich einmal vor, dass sie einen Vortrag halten müssen, – vielleicht in der Schule, im Studium oder als Experte für XY. Nun müssen Sie natürlich Ihren Vortrag vorbereiten, sich mit der Thematik beschäftigen, sich um die Zielgruppe kümmern, technische Sachen bedenken, usw. Das ist alles ganz normal und machbar. Jetzt kommt aber der Knackpunkt. Sehr wahrscheinlich haben Sie den Anspruch an sich selbst einen perfekten Vortrag zu halten, perfekt aufzutreten. Heutzutage will kaum einer gute Leistungen bringen oder befriedigende oder ausreichende. Heutzutage wollen wir alle nur Top-Leistungen bringen, perfekt sein. Es gibt nur noch „perfekt“ als Standard. Alles andere ist undenkbar, unakzeptabel. Wir leben schließlich in einer (Hoch-)Leistungsgesellschaft und das fängt in der Schule schon an. Haben Sie sich mal gefragt, warum es überhaupt noch Noten gibt und warum ausreichend oder befriedigend eigentlich nur „schlecht“ bedeuten. Ausreichend reicht schon lange nicht mehr aus und befriedigend befriedigt niemanden mehr. Wir müssen immer schneller, immer höher und immer bessere Ergebnisse bringen. Wir müssen! Auf Kosten der Gesundheit, des seelischen Gleichgewichts, der Lebensfreude. Das ist einfach so – heutzutage! Keiner stellt es in Frage. Wir erwarten es einfach, von uns selbst, von anderen, von unseren Kindern. Die Peitsche schwingt gnadenlos. Der Konkurrenzdruck ist übermächtig. Es gibt nur noch Gewinner und Verlierer, – keine Zwischentöne mehr. Die darwinsche Auslese ist unbarmherzig.

Zurück zu unserem Beispiel. Sie setzen sich also höchstmögliche Ziele, fragen aber gar nicht, ob das für Sie in Ihrer Situation möglich ist. Haben Sie genug Zeit? Kennen Sie sich gut genug mit der Thematik aus? Sind Ihre technischen Möglichkeiten ausreichend? Können Sie frei sprechen? Haben Sie schon Erfahrung im professionellen Halten von Vorträgen? Wissen Sie wirklich wie Sie Ihre Zielgruppe begeistern können?

In der Regel läßt die Situation keine perfekte Vorbereitung zu, da im Leben ständig alles limitiert ist. Wir haben nicht unendlich Zeit. Wir haben auch nicht immer alle technischen Geräte auf dem neusten Stand. Wir können uns auch nicht überall auskennen wie ein Experte. Tatsächlich sind wir sehr eingeschränkte Lebewesen. Nur wenn wir das erkennen, können wir mit unseren Ressourcen haushalten und unsere Stärken sinnvoll einsetzen.

Nun stellen Sie sich vor, Sie haben alles getan für einen bestmöglichen Auftritt inklusive Top-Vortrag. Was passiert? Ihre Erwartungshaltung schwebt wie eine dunkle Wolke über Ihnen. Die Angst zu versagen ist riesig. Sie stehen unter enormen Stress, hinterfragen ständig Ihre Wirkung auf das Publikum und wehe sie verhaspeln sich – da geht direkt die Welt unter, Sie laufen rot an und fühlen wie die Blicke der Zuschauer sich in Sie hineinbohren, Sie fertig machen. Und hinterher sind Sie froh, dass Sie es geschafft haben, warten schon auf die bösen Kritiken, auf das vernichtende Urteil der Vorgesetzten, der Zuhörer. Wer weiß, ob Sie danach überhaupt zur Ruhe kommen und nachts schlafen können?

Ihre Erwartungshaltung hat all diese Stressymptome hervorgerufen und nicht dazu beigetragen den Vortrag mit einer gewissen, bezaubernden Leichtigkeit zu halten. Vielleicht haben Sie ihn auch komplett vermasselt – vor lauter Aufregung und Selbstkritik.

Und nun stellen Sie sich einmal vor, Sie hätten den Vortrag ohne diese Erwartungshaltung vorbereitet. Sie hätten einfach gedacht „Die Zeit ist knapp, PowerPoint kann ich auch nicht aber ich mach das Beste daraus und konzentriere mich auf die wirklich wichtigen Punkte!“ Sie hätten sich und die Situation also realistisch wahrgenommen und das Bestmögliche daraus gemacht – gemessen an den Rahmenbedingungen.

Es zeugt von einer großen inneren Stärke und Souveränität, wenn man sich erlaubt positiv-authentisch zu sein, wenn man zu seinen Fehlern und Schwächen steht und sich dadurch auch nicht aus dem Konzept bringen läßt, wenn man einfach sein Bestes gibt, ohne perfekt sein zu wollen. Die Menschen im Publikum merken ganz genau, wenn jemand sich verstellt und etwas vorspielt. Sie merken auch, wenn eine authentische Person vor ihnen steht. Authentizität ist sympathisch. Sie erinnert einen daran, dass wir alle nur Menschen sind, dass keiner von uns perfekt ist. Sie schafft auch eine gewisse Leichtigkeit und Dinge lassen sich flexibler, einfacher gestalten.

Wenn Sie mal wirklich „wichtige“ Menschen auf der Bühne sehen, dann werden Sie feststellen, dass sie sich alle authentisch verhalten. Sie haben es nicht nötig zu „schauspielern“, sich zu verstellen, irgendwelchen imaginären Ansprüchen gerecht zu werden.

Geben auch Sie Ihren Perfektionismus auf. Sie brauchen ihn nicht. Gewinnen Sie durch eine positive, authentische Haltung. Geben Sie Ihr Bestes gemessen an den Möglichkeiten der Situation. Seien Sie menschlich. Entspannen Sie sich. Sie werden sehen wie viel leichter das Leben plötzlich ist, wenn Sie falsche Ansprüche herunterschrauben und realistisch denken.

Behandeln Sie auch andere Menschen realistisch. Fordern Sie nur das Machbare, das Sinnvolle. Erwarten Sie keine Superman oder Superwoman Leistungen. Wir sind alle nur Menschen. Sie und ich. So wird die Welt wieder ein bißchen menschlicher, sympathischer, lebenswerter.

Versuchen Sie es! Machen Sie das Beste aus Ihrem Leben!

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