Beiträge getaggt mit technischer Fortschritt

Und Antidepressiva zum Frühstück…

Stellen Sie sich einmal vor, Sie sind Psychiater oder Psychotherapeut. Sie sind geschult in der Erkennung von geistig-seelischen Störungen und Krankheiten. Täglich werden Sie mit Menschen konfrontiert, die erhebliche Probleme haben, die depressiv sind, unter Erschöpfung leiden, Angststörungen haben, süchtig sind, usw. Selbst Menschen mit schweren Störungen können Sie helfen, können ihre Leiden verringern, ihnen Hoffnung geben auf Gesundheit und Lebensfreude durch Therapie. Vieles ist heilbar. Und wenn es nicht heilbar ist, so können doch die Symptome verringert werden.

Und nun schauen Sie sich als Psychiater oder Psychotherapeut einmal die Welt von heute an. Schauen Sie sich Ihre Mitmenschen an, die Gesellschaft, die Arbeitsbedingungen, den Alltag. Was meinen Sie, was Sie da feststellen?

Sie nehmen all die Störungen wahr, an denen die Menschen heutzutage leiden. Sie sehen ein Meer von Störungen, von Verhaltensstörungen, Persönlichkeitsstörungen, von Bewusstseinsstörungen, Denkstörungen, usw. Und wenn Sie einem Menschen begegnen, der offensichtlich geistig-seelisch und körperlich vollkommen gesund ist, fit ist, fröhlich ist, dann kann das schon ein Wunder sein, – je nachdem wo Sie leben. Allein die Aufmerksamkeitsstörungen haben enorm zugenommen. Man könnte auch sagen, dass eine allgemeine Verblödung eingesetzt hat – dank ständiger Reizüberflutung. Manche sprechen auch von einer Zombiefizierung.

Und nun überlegen Sie einmal: Aktuell liest man schon in den Zeitungen, dass bereits Kinder in der Grundschule unter teils massiven Stress leiden und Kleinkinder in Kitas auch ihre Probleme haben. Jetzt frage ich Sie als Psychiater oder Psychotherapeut, wo soll das hinführen? Wo wird das hinführen? Wo werden wir in zwei oder drei Jahren sein? Sind wir dann alle ausgebrannt, kaputt?

Schon jetzt werden viele Kinder mit Psychopharmaka behandelt, ganz zu schweigen von den vielen Studenten und Arbeitnehmern. Der Mensch läuft seinem eigenen technischen Fortschritt hinterher. Wie lange noch?

Permanente Überforderung führt zu Erschöpfungssyndromen, zu Depressionen, Ängsten, usw. Wenn da kein Umdenken erfolgt, keine Rückbesinnung auf menschliche Werte, keine Abkehr vom Ideal des allseligmachenden monetären Gewinns, dann sieht es nicht gut für uns aus. Dann gibt es wirklich Antidepressiva zum Frühstück und viele andere Psychopharmaka, die uns ermöglichen in der Tretmühle der Hochleistungsgesellschaft weiter mit Hochdruck zu strampeln.

Dann gibt es Pillen für die gute seelische Stimmung, Pillen für optimale geistige Leistungen, Pillen zum Runterkommen, zum Entspannen, Pillen gegen alle möglichen Schmerzen, Pillen gegen Verdauungsstörungen, Pillen gegen Auto- und Fremdaggressionen, Pillen gegen Bewusstseinsstörungen und natürlich Pillen gegen die Nebenwirkungen der anderen Pillen. Dann bekommt jeder direkt zum Frühstück seine Handvoll Pillen für den Tag, – der Jüngste, die Mutter, der Vater, die Großeltern sowieso und vielleicht auch das Haustier, wenn es unerwünschtes Verhalten zeigt. Tatsächlich gibt es dann kein unerwünschtes Verhalten mehr, da alles mit Pillen gut gesteuert werden kann. Dann herrscht Frieden auf Erden. Und nur wenige werden es sich leisten können, ohne Pillen zu leben. Die Politiker werden schon die richtigen Worte finden, um dem Volk die Notwendigkeit solcher Maßnahmen zu vermitteln.

Übrigens – wußten Sie, dass viele Politiker an massiven Störungen leiden? An Größenwahn zum Beispiel. An dem Wahn Lehrer und Erzieher des Volkes zu sein. Allein die allseligmachende Wahrheit zu kennen….

Wenn Sie keine Lust auf eine Handvoll Pillen zum Frühstück haben, dann engagieren Sie sich für ein Umdenken in der Gesellschaft, für menschliche Werte und Ideale, für mehr Menschlichkeit und weniger Wahn.

Machen Sie das Beste aus Ihrem Leben. Und bleiben Sie sie selbst!

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Ein Kommentar

Das Phänomen der gestörten Aufmerksamkeit

Ist Ihnen auch schon aufgefallen, dass nahezu alle Menschen heutzutage an einer (schwer) gestörten Aufmerksamkeit leiden?

Es sind mehr oder weniger subtile Zeichen. Menschen überlesen Infos, beantworten Emails nicht, hören in Gesprächen nicht zu, halten Termine nicht ein, vergessen Verabredungen, können sich nur äußerst schwer auf die gegenwärtige Situation konzentrieren, sind geistig ständig beschäftigt, etc. Solche Menschen machen oft einen erschöpften Eindruck oder scheinen hyperaktiv zu sein. Viele Informationen gehen ihnen einfach durchs Netz wie es so schön heißt.

Früher kannte man das Phänomen unter der Bezeichung „der zerstreute Professor“. Heute gibt es wohl nur ganz wenige, die nicht vollkommen zerstreut sind.

Woher kommt diese Aufmerksamkeitsstörung?

Sie ist ein Symptom der massiven Reizüberflutung durch Handy, Internet, Multitasking, Burnout, etc. Dummerweise sind wir Menschen nicht für den technischen Fortschritt geschaffen, den wir gerade erleben. Es ist einfach alles zuviel. Wir werden förmlich erschlagen von der Menge der Informationen, Reize, die wir ständig wahrnehmen und verarbeiten müssen. Und weil wir gnadenlos überfordert sind, vergessen wir vieles, können uns nicht mehr konzentrieren, nicht mehr zuhören, nichts mehr wirklich aufnehmen und filtern auch wichtige Informationen einfach raus, so dass sie verschwinden. Das führt dann zu noch mehr Stress, mehr Problemen. Wenn Sie z. B. dreimal Ihre Freundin wegen einem wichtigen Termin ansprechen müssen und der Termin trotzdem nicht zustande kommt, dann kostet das Nerven. In Konsequenz verzichten Sie vielleicht in Zukunft auf Verabredungen mit Ihrer Freundin, was dann wieder Auswirkungen auf Ihr Sozialleben hat, auf Ihre so wichtige Freizeit. In der Tat vergessen viele Menschen heutzutage einfach zu antworten, rechtzeitig zu kommen, Dinge vorzubereiten und so artet sehr viel in unnötigen Stress aus.

Manchmal zeigt sich auch der nackte Wahnsinn, wenn z. B. nicht direkt kommuniziert wird, sondern über drei Personen hinweg versucht wird einen Termin zu vereinbaren, wo die Rahmenbedingungen vollkommen unklar sind. Danach beschwert man sich über den Mißerfolg, sieht aber nicht das chaotische Vorgehen, was dazu geführt hat.

Der nackte Wahnsinn tobt heutzutage immer mehr. Vorgesetzte verlangen oft Unmögliches, wissen, dass es nicht funktionieren kann, es ist ihnen aber egal und wälzen alles auf die Mitarbeiter ab. Die wissen auch, dass es nicht möglich ist und wursteln irgendetwas zusammen, was eventuell durchgeht aber auf jeden Fall nachbearbeitet werden muss, was noch mehr Zeit benötigt als bei realistischer Planung. So werden ständig Projekte in den Sand gesetzt. Es ist einfach unglaublich!

Stress, Chaos, Idiotie, Mißmanagement und Burnout sind eine fatale Kombination, die zum Scheitern führen muss.

Denken Sie einmal darüber nach, was in der letzten Zeit alles schlecht gelaufen ist, weil Ihre Aufmerksamkeit schlichtweg überfordert war. Wieviel Stress, wieviel Streit, wieviele Probleme haben sich dadurch ergeben?

Nun ist sicher die Frage, was man dagegen tun kann. Tatsächlich gibt es nur einen Weg: Mehr Qualität statt Quantität! Und echtes Zeit- & Aufgabenmanagement! Dazu empfehle ich noch Aufmerksamkeitsübungen.

Wenn man früher mit gut verträglichen 100% an Informationen umgehen musste, sind es heute 1.000% – 10.000% oder mehr. Hier hilft nur ganz konsequent Prioritäten zu setzen und Qualität von Quantität zu trennen. Die meisten Informationen haben nämlich kaum oder gar keinen Wert für uns, rauben aber wertvolle Zeit und Ressourcen. Wenn Sie sich auf das wirklich wichtige im Leben und bei der Arbeit konzentrieren, dann geht es Ihnen gleich viel besser. Überlegen Sie deshalb einmal, was für Sie wirklich wichtig ist und was nur Zeitfresser sind.

Zeit- und Aufgabenmanagement ist sehr einfach dank Mircosoft Outlook und Google Kalender (z. B.). Ich benutze momentan Google, erstelle mir meine Kalender mit privaten und beruflichen Terminen, mit Weiterbildung, Geburtstagen, etc. Auch kann man damit sehr gut seine Aufgaben planen, Prioritäten setzen und Zeiträume für die Bearbeitung der Aufgaben setzen. So kriegt man tatsächlich sehr einfach die Vielzahl von Angelegenheiten übersichtlich gemanaget und man vergisst auch nichts. Heutzutage hat auch nahezu jeder ein Smartphone und kann so seine Aufgaben und Termine immer dabei haben. Besser oder professioneller geht es nicht.

Wozu Aufmerksamkeitsübungen? Es gibt sehr einfache Yoga-Übungen, um einfach für sich einmal in die Stille zu gehen, wieder zu lernen bewusst die Umwelt und sich selbst wahrzunehmen, den Gedankenstrom zu reduzieren. Solche Übungen sind äußerst hilfreich, um wieder zu sich selbst zurück zu finden, in seiner eigenen Mitte zu ruhen und gelassener dem Alltag zu begegnen.

Ich persönlich leide auch an dieser furchtbaren Reizüberflutung. Mir helfen die oben genannten Techniken sehr gut. Ich hab mir angewöhnt sehr stark Informationen nach ihrem Wert zu filtern. Eine Tageszeitung „lese“ ich quer innerhalb von 1-3 Minuten. Bei manchen Gesprächen filtere ich nur die allerwichtigsten Informationen heraus, speicher sie ab und antworte auf sie. Und ich habe eine äußerst starke Gelassenheit entwickelt, – gegenüber all dem zusätzlichen, künstlichen Stress, der aus den Aufmerksamkeitsstörungen meiner Mitmenschen resultiert.

Machen Sie das Beste aus Ihrem Leben! Grenzen Sie sich bewusst gegenüber die belanglosen Informationsflut ab! Picken Sie sich die Rosinen aus den Infos! Denken Sie daran, – Ihre Lebenszeit ist kostbar!

Noch ein Tipp: Lernen Sie ganz bewusst echte zwischenmenschliche Begegnungen zu schätzen! Facebook und Handy sind kein Ersatz für ein Treffen im echten Leben.

 

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