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Das ist mir aber peinlich!

Im Leben gibt es viele Peinlichkeiten. Es kann einem selbst und anderen so viel Peinliches passieren. In der Regel sind peinliche Gegebenheiten ganz natürlich und sie können jedem geschehen. Der Haken dabei ist, dass Peinlichkeiten mit dem eigenen, perfekten Selbstbild oder dem Bild von anderen nicht übereinstimmen. „Das hätte ich jetzt aber von XY nicht gedacht!“ oder „Wie sehe ich denn aus? Hilfe! Was sollen die Leute denn von mir denken?!“ usw. Der Witz bei der Sache ist der, dass es oft Kleinigkeiten sind, – Sachen über die man auch souverän lachen kann oder zumindest ein Lächeln zeigen kann. Wem ist nicht schon mal das Eis auf das Hemd getropft? Wer hatte nicht schon mal Suppe im Bart, abgesehen von Frauen? Oder wer hat nicht schon mal ein Bäuerchen gemacht, weil zu viel Luft im Bauch war? Das sind scheinbar alles ganz schreckliche Dinge, die gegen den eigenen Perfektionismus verstoßen. Es sind Dinge, die die Welt aus den Angeln heben, die den Weltuntergang heraufbeschwören. Aber all das ist eine Haltungsfrage. Tatsächlich kommt weder ein Blitz von oben, noch tut sich die Erde auf und man wird von der Hölle verschlungen. Es gibt in der Regel auch nicht wirklich jemanden, der so schockiert ist, dass er Wiederbelebungsmaßnahmen benötigt. Je entspannter man mit kleinen Peinlichkeiten umgehen kann, desto besser und oft merkt es noch nicht einmal die Gesellschaft, in der man sich gerade befindet und wenn doch, dann kann man mal kurz einen Scherz darüber machen und die Sache ist gegessen.

Ein bisschen mehr Leichtigkeit im Leben tut uns allen gut. Ein bisschen mehr Humor, ein bisschen mehr Gelassenheit und ein bisschen mehr über den Dingen stehen, – all das macht das Leben angenehmer und das Miteinander einfacher.

Denken Sie einfach mal an die Kinder. Kinder haben immer viel Spaß, machen allerlei Unsinn und wenn Kindern mal etwas „Peinliches“ passiert, dann wird noch mehr gelacht und es geht lustig weiter. Selbst Erwachsene können dann darüber lachen.

Dann gibt es noch Peinlichkeiten, die uns und anderen das Leben schwer machen. Da ist es äußerst unangenehm die Betroffenen auf etwas Peinliches aufmerksam zu machen, – man hat schlichtweg Angst vor der Reaktion und so werden negative Umstände einfach ignoriert bis irgendwann das Fass überläuft und echte Probleme scheinbar plötzlich auftauchen oder der Berg unterm Teppich als Vulkan ausbricht.

Stellen Sie sich einmal vor, Sie gehen mit einer Freundin draußen spazieren. Ihre Freundin latscht mit ihren neuen Schuhen in einen großen Hundehaufen und merkt es nicht. Nur Sie haben es gesehen. Da Sie genau wissen, dass Ihre Freundin einen Anfall bekommt, wenn sie sieht, dass ihre neuen Schuhe ruiniert sind, sagen Sie lieber nichts. Im Prinzip warten Sie lieber auf ein mittleres Wunder, wo die Schuhe sich von selbst reinigen und alles wieder in bester Ordnung ist. Doch dieses Wunder geschieht nicht. So gehen Sie noch eine Weile spazieren und kommen dann an der Wohnung Ihrer Freundin an. Sie gehen zusammen rein und der Schmutz verteilt sich überall. Am Ende ist der Tobsuchtsanfall noch größer als wenn Sie frühzeitig etwas gesagt hätten.

Sie sind im Sportverein und ein Mitglied riecht immer sehr streng. Nun ertragen Sie den Geruch schon mehrere Wochen und gehen dem Betroffenen immer aus dem Weg. Auch andere Mitglieder meiden ihn, sagen aber nichts. Alle denken „Das muss er doch selber merken!“ Nur, er tut es nicht. Und allen ist es peinlich ihn auf den strengen Geruch anzusprechen. So wird es wohl noch die nächsten Wochen weitergehen, bis einem der Kragen platzt, – der emotionale Vulkan hochgeht und ausbricht. Dann gibt es echte Probleme.

Jemand kommt in die Praxis und beschwert sich, dass alle ihn mobben. Nun denkt jeder sofort „Der arme Mann, – ein Mobbing Opfer von vielen heutzutage. Die Welt ist so gemein und schlecht.“ Bei genauerer Analyse der Hintergründe kommt dann heraus, dass das Opfer eine oder mehrere schlechte Angewohnheiten hat, die für die Kollegen eine tägliche Qual darstellen und der eigentliche Grund für das „Mobbing“ sind. Dummerweise hat nie auch nur ein einzelner Kollege gesagt, was denn das Problem ist. So leiden alle still und auch die Firma leidet unter der schlechten Teamarbeit. Nun könnte der Coach auch sagen „Ja, es tut mir unendlich leid. Ihre Kollegen sind böse, suchen Sie sich doch einfach eine andere Firma.“ und das Problem wäre dank Vermeidungsverhalten zumindest für den Coach gelöst. Ein guter Coach wie auch ein guter Freund wird aber nie den leichten Weg gehen, sondern den Betroffenen behutsam auf die Umstände aufmerksam machen. Sobald dem Betroffenen klar ist, was der eigentliche Auslöser für seine Probleme ist, kann er an positiven Veränderungen mit seinem Coach arbeiten. Das ist dann eine langfristige, positive Lösung der Problematik. Sie mag zwar anfangs unangenehm sein, aber sie ist die einzig sinnvolle Lösung.

Jemand schmatzt beim Essen, hat irgendeine seltsame Angewohnheit oder sonst irgendetwas ist nicht so, wie es sein sollte. Egal was es ist, es ist auffällig, stört oder macht einen schlechten Eindruck oder ist unangenehm. Dann ist es in der Regel peinlich den Betroffenen darauf anzusprechen, weil man einmal denkt, es müsste es selbst merken und andererseits, weil man Angst vor einer negativen Reaktion hat. Oft zeigen wir dann das sogenannte Vermeidungsverhalten, – wir ignorieren einfach alles und hoffen, dass irgendein Wunder geschieht. Leider passiert oft kein Wunder und die Betroffenen kommen selber nicht auf die Idee, dass irgendetwas nicht stimmt. Für den Betroffenen ist dieses Vermeidungsverhalten gar nicht gut und auch seine Umwelt leidet weiter. Die negativen Emotionen und das künstliche Verhalten, das Ignorieren der Problematik verstärken sich immer mehr, bis die Spannung ihren Höhepunkt erreicht hat und die sprichwörtliche Bombe platzt. Im Vergleich zur echten Problematik ist dann das Donnerwetter vollkommen überzogen und zieht oft schwere Schäden oder weitere Probleme nach sich.

Nun, was können wir besser oder anders machen?

Zuerst ist es gut sich in den Betroffenen hineinzudenken und zu überlegen, welche Gründe es denn für das Problem geben könnte. Im Beispiel Sportverein kann es sein, dass der Betroffene Probleme mit der Nase hat und kaum etwas riechen kann, so dass er seinen eigenen, strengen Geruch gar nicht wahrnimmt. Vielleicht ist er aber auch an solche Gerüche gewöhnt und sieht keine Belästigung für andere darin. Wie dem auch sei, nun kommt der zweite Schritt – sich darüber bewusst werden, dass je früher eine Veränderung passiert, desto besser ist es für alle. Und im dritten Schritt kann man sich überlegen, wie man auf positive Art und Weise den Betroffenen von dem Problem in Kenntnis setzt. Je einfacher und netter man das macht, desto leichter und besser wird die Information aufgenommen. Alle können so ihr Gesicht wahren, ohne, dass jemand leiden muss oder dass es zu Auseinandersetzungen und Beleidigungen kommt.

In diesem Sinn, – verlassen Sie ab und an Ihre Komfortzone, wagen Sie etwas und nur dann können letztendlich alle gewinnen. Ansonsten müssen alle weiterleiden bis es für eine positive Lösung der Angelegenheit zu spät ist.

Machen Sie immer das Beste aus Ihrem Leben! Auch wenn es mal ein bisschen peinlich ist.

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Infantile Bewältigungsstrategien Teil III – Flucht & Vermeidung

Infantile Bewältigungsstrategien – ein wirklich langer Begriff, den man als „böse“ interpretieren kann oder als Vorwurf. Dem ist aber nicht so. Der Begriff ist einfach neutral und beschreibt nur, wie Kinder Probleme bewältigen. Und wenn Erwachsene in alte Verhaltensweisen zurückfallen, dann ist das auch nicht „böse“, sondern ein weit verbreitetes Phänomen, was jeder kennt und jedem mehrfach im Leben passiert – denn nur die wenigsten Menschen sind perfekt. Es kann deshalb in dieser Serie nicht darum gehen, Menschen zu beleidigen oder ihnen einen Vorwurf zu machen, sondern es geht allein darum aufzuklären, um einfacher durchs Leben zu kommen. Wenn wir nämlich in kindliche Verhaltensmuster zurückfallen, dann verstärken wir Probleme anstatt sie zu lösen.

Wenn wir im Leben mit etwas konfrontiert werden, was wir entweder nicht begreifen können oder nicht im Stande sind zu bewältigen, neigen wir in der Regel zur Flucht oder wir vermeiden die Situation oder Thematik. Das ist ziemlich normal und natürlich. Es gilt insbesondere für Kinder. Kinder wissen recht wenig von der Welt und fühlen sich auch sehr abhängig von den Erwachsenen. Entsprechend können sie leicht seelisch verletzt oder traumatisiert werden.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel. Ein Kind begegnet einem Hund. Der sieht erst ganz freundlich aus und wedelt mit dem Schwanz. Das Kind freut sich, will ihn streicheln und plötzlich bellt der Hund. Das Kind verschreckt sich, fängt an zu weinen und sucht Schutz bei der Mama. Im schlimmsten Fall meidet das Kind von nun ab alle Hunde – auch später als Erwachsene. Das Verhalten ist gut nachvollziehbar, aber nicht unbedingt die beste Lösung. Als Erwachsener weiß man, dass nicht jeder Hund gefährlich ist, dass ein Hund einen erstmal kennenlernen muss und dass man ihn dann auch oft streicheln kann. D. h. die Vermeidungsstrategie aus der Kindheit kann aufgegeben werden. Man kann dazu lernen, seine Wahrnehmung und Haltung ändern, was dann zu einer Entspannung der Situation führt. Das betroffene Kind/ die Erwachsene muss dann keine Angst mehr vor Hunden haben und auch keinen großen Bogen um sie machen.

Ähnlich ist es, wenn man sich selbst von einer schlimmen Sache dissoziert, sich distanziert, um sich nicht mitverantwortlich zu fühlen oder sich nicht geistig-seelisch zu belasten. Das ist auch eine natürliche, nachvollziehbare Verhaltensweise und dient dem Selbstschutz. Stellen Sie sich einmal vor, Sie sehen sich eine Dokumentation über die Tierhaltung und den Schlachtbetrieb an. Wahrscheinlich sind Sie hinterher traumatisiert. Die Mißstände sind furchtbar und werden zu Recht angeprangert. Aus Ihrem traumatischen Erlebnis heraus beschliessen Sie spontan kein Fleisch mehr zu essen. So entledigen Sie sich unbewusst psychologisch der Mitverantwortung und Schuld. Sie befreien sich von einem schlechten Gewissen. Der Effekt ist, dass es Ihnen direkt besser geht. Es kann nun sein, dass Sie Ihre Freunde nun als mehr oder weniger „böse“ Menschen betrachten, weil sie weiter Fleisch essen. Vielleicht machen Sie ihnen auch Vorwürfe.

Nun betrachten wir die Situation etwas aus der Distanz. Die Vorgänge sind psychologisch klar nachvollziehbar. Neben einigen anderen Aspekten zeigt sich aber hier wieder ein klares Vermeidungsverhalten, eine infantile Bewältigungsstrategie. Sie können das Thema Massentierhaltung nicht bewältigen. Es ist einfach zu komplex. Also ziehen Sie sich zurück und distanzieren sich. Das schafft Erleichterung.

Nehmen wir nun einmal an, Sie wären nicht traumatisiert von der Dokumentation. Sie würden also vom Verstand her an die Sache gehen. Nun würden Sie wahrscheinlich feststellen, dass sich durch den Fleischverzicht nichts an der Massentierhaltung ändert, dass noch nicht einmal ein einziges Tier gerettet wird. Sie würden jetzt überlegen, was man denn machen könnte, um etwas zum Positiven zu verändern. Vielleicht würden Sie einen Verein gründen, eine Demonstration veranstalten, mit Politikern sprechen oder auch einen Gnadenhof für ältere Tiere gründen.

Ich hoffe, es ist nachvollziehbar – die kindliche Strategie funktioniert nicht, die Strategie aus Erwachsenensicht schon. Gerade bei dem Beispiel kommen die Betroffenen oft in die Bredouille, weil sich das Verhalten für die Angehörigen jeglicher Logik entzieht. Weil offensichtlich keine Tiere gerettet werden. Weil man in der Regel auch bei Fleischverzicht tierische Produkte in Form von Kosmetik, Schuhen, Kleidung, etc. kauft. Weil auch für andere Lebensmittel Lebewesen leiden müssen. Konsequenterweise dürfte man am Ende nur noch Früchte essen, die selbständing vom Baum gefallen sind und deren Kerne man aktiv in der Natur verstreut. Die Frutaner leben so.

In erster Linie sind wir unserem Gewissen verpflichtet. Wir müssen mit der Lebensart zurecht kommen, die wir für uns gewählt haben. Wir müssen für uns selbst Verantwortung übernehmen, – selbst Entscheidungen treffen.

Ich möchte nur eines – Sie unterstützen für sich die richtige Wahl im Leben zu treffen, – nicht aus traumatischen Erfahrungen heraus, sondern aus Klarheit und Wissen heraus, aus einer guten Intuition.

Das Leben an sich ist schon schwer genug. Da kann man es sich erleichtern, wenn man – wie hier – sich ungünstiger Bewältigungsstrategien bewusst wird und mit kühlem Kopf Lösungen sucht.

Also, machen Sie das Beste aus Ihrem Leben! Und wenn Sie sich oder andere bei einer „infantilen Bewältigungsstrategie“ ertappen, dann schmunzeln Sie doch einfach darüber! Lachen ist gesund!

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Infantile Bewältigungsstrategien Teil I – Der Weltuntergang

Infantile Bewältigungsstrategien gehören zu meinen Lieblingsthemen, da ich sie äußerst faszinierend finde – wie Spock sagen würde. Nun was sind überhaupt „Infantile Bewältigungsstrategien“? Es sind Strategien mit Problemen mehr oder weniger erfolgreich umzugehen, die wir uns in unserer Kindheit ausgedacht oder irgendwie entwickelt haben. Was in der Kindheit vielleicht so einigermaßen funktioniert hat, funktioniert für uns Erwachsene nun nicht mehr. Trotzdem halten wir gerne daran fest, insbesondere, wenn uns nichts besseres einfällt oder wir uns vom Schicksal überrumpelt fühlen. Das Problem mit den infantilen Bewältigungsstrategien ist, dass sie einmal nicht wirklich funktionieren und zum anderen noch größere Probleme verursachen. Sie stellen eine Art Vermeidungsverhalten dar, sich wirklich mit einer problematischen Situation auseinanderzusetzen und eine echte Lösung zu erreichen. So wachsen die Probleme bis es irgendwann zu einem großen Knall kommt und massiver Schaden entsteht.

Ein kleines Beispiel: Wenn Sie als Kind sich die Augen zu halten, dann sind Sie nach kindlicher Logik unsichtbar – Sie sehen nichts und deshalb können Sie nicht gesehen werden. Logisch! Nun fällt beim Spielen eine Vase runter, Sie halten sich die Augen zu, sind unsichtbar und keiner kann nachverfolgen, dass Sie die Vase umgeworfen haben. Das ist die „Ich bin gar nicht da“-Logik. Auch als Erwachsener können Sie sagen „Ja, ich war gar nicht da, hab gar nichts gesehen, nichts gehört, etc.“ oder „Ich weiß von nichts, meine Name ist Hase.“ (Bugs Bunny) Wenn etwas Schlechtes oder Schlimmes passiert ist und Sie ignorieren es einfach, dann wird die Situation dadurch nur schlimmer, nicht besser. Als Erwachsener müßte man eingreifen und die Angelegenheit bestmöglich bewältigen.

In meiner kleinen Reihe über infantile Bewältigungsstrategien möchte ich einige dieser Verhaltensweisen vorstellen, hinterfragen und alternative Strategien aufzeigen. Wer an seinen infantilen Bewältigungsstrategien gerne festhalten möchte, sollte daher diese Blogreihe nicht lesen. Für alle anderen werden sich ein paar Aha-Effekte einstellen.

Teil I – Der Weltuntergang:

Vor ein paar Tagen hatten wir mal wieder einen Weltuntergang, der (leider/wie immer) nicht funktioniert hat. Haben Sie sich mal überlegt, wie man auf die Idee kommen kann, auf einen Weltuntergang zu hoffen, zu warten? Sind das nicht Zeichen schwerster Depressionen, wenn der eigene Suizid nicht mehr ausreicht und gleich die ganze Welt untergehen muss, damit es einem besser geht? Ist das nicht krank? Ein Fall für den Psychiater? Für die stationäre Aufnahme und Dauermedikation? Denken Sie einmal darüber nach. Tatsächlich sollten sich alle Lebewesen nach dem Leben sehnen, nach einem erfüllten, glücklichen Leben, nach Lebensfreude. Und was machen die Menschen? Sie sind Miesepeter. Sie erwarten den Untergang.

Und warum? Jetzt kommen wir zu den äußerst interessanten Ursachen. Es ist ganz einfach. Die Menschen haben erkannt, dass ca. 10% sich absolut mies verhalten, andere ausbeuten, etc., 80% mal gut mal böse sind und nur 10% als absolut gut zu sehen sind. Das heißt, vereinfacht gesagt, 90% aller Menschen sind mehr oder weniger Egoisten, die in erster Linie nur an sich selbst denken und auf Kosten der anderen wirtschaften. Anders ausgedrückt: „Die Welt ist schlecht und muss deshalb zwangsläufig untergehen!“ So, deshalb die miese Grundstimmung und der Schrei nach Weltuntergang und jüngstem Gericht mit Bestrafung durch Gott.

Was bedeutet das denn? Der Mensch sagt „Gut, wir sind hauptsächlich miese Egoisten, wir denken nur an uns selbst, beuten die Welt aus, betrügen uns gegenseitig. Wir wissen, dass das alles nicht in Ordnung ist – aber wir sind eben so und lehnen jede Verantwortung ab. Deshalb brauchen wir Gott bzw. Jesus, damit er für Gerechtigkeit und Ordnung sorgt – irgendwann einmal, wenn der Weltuntergang gekommen ist. Bis dahin arbeiten wir weiter fleißig am Untergang, damit Jesus schneller kommt und die Welt in ein Paradies verwandelt.“ Logisch, – nicht wahr?! Hier haben wir wieder eine dieser wundervollen infantilen Bewältigungsstrategien.

In der Tat ist es der Ruf nach einem Erwachsenen (Jesus), der für Ordnung sorgt, für das Chaos, was die Kinder (Menschen) angerichtet haben. Die Kinder (Menschen) zeigen sich überfordert, lehnen jede Verantwortung ab – „der Teufel hat uns geritten, wir sind unschuldig, wir konnten nicht anders“ und Papa (Gott/Jesus) solls wieder richten. Kinder sind so und haben eben ihre eigene kindgerechte Logik. Nur funktioniert sie nicht, weil sie an der Realität vorbeigeht. Deswegen haben wir auch nie einen Weltuntergang und deshalb können wir noch sehr lange warten, bis Jesus oder ein anderer Erwachsener kommt, um die Welt in ein Paradies zu verwandeln.

Wie sähe denn eine Alternative aus? Der Mensch könnte sagen „Gut, wir haben uns über Jahrhunderte echt mies verhalten, aber wir können aus unserem Fehlverhalten lernen, positive Werte aufstellen, an denen wir unser Leben und Handeln orientieren wollen. Wir können die Schäden, die wir verursacht haben, wieder beheben. Wir können selber Verantwortung für uns und unser Verhalten übernehmen (da es auch niemand anderen gibt) und wir können selbst unsere Welt schön gestalten, so dass wir alle mit Freude leben.“

Na, das wäre doch mal ein Ansatz.

In letzter Zeit hat der atheistische Materialismus vermehrt den Platz der Religion eingenommen – auch ein Zeichen für den Weltuntergang. Interessanterweise wurde aber an der Idee der Weltrettung festgehalten. Anstelle des Messias ist nun Superman getreten, der die Bösen richtet und den Guten zum Sieg verhilft. Ja, und wir haben nicht nur Superman, sonder auch Superwoman und eine ganze Schar von Weltrettern, die auch alle ganz genau in allen Einzelheiten in Comics dargestellt und festgehalten werden. So wartet auch der Atheist, der Materialist, der Ungläubige auf jemanden, der ihm die Verantwortung für sein Leben abnimmt und für ihn sozusagen die Drecksarbeit erledigt. Warum soll man denn auch seine eigene Suppe auslöffeln, wenn es ein Messias oder Superman viel besser machen kann?!

In diesem Zusammenhang fällt mir noch so eine „tolle Idee“ ein. Manche Menschen glauben daran, dass Jesus von Gott, seinem Vater auf die Erde geschickt wurde, damit er für all die Sünden der Menschen stellvertretend gequält und getötet wird. Er übernimmt als Opferlamm die Bestrafung. Toll, nicht wahr? D. h. wir brauchen nicht nur einen Weltretter, sondern auch noch einen Sündenbock, der all die Strafen übernimmt, die eigentlich für uns selbst gedacht waren. Wiederum eine wunderbare, infantile Bewältigungsstrategie „Ich habe Mist gebaut, aber soll doch der unschuldige XY dafür büßen!“ Die Krönung des ganzen ist noch, dass es nicht irgendein armer Mensch ist, der zum Sündenbock gestempelt wird, sondern der Sohn Gottes in seiner Reinheit und Majestät persönlich. Ich glaube, wenn ich Gott wäre, hätte ich da doch eher noch mal mindestens eine weitere Sintflut über solche Menschen geschickt, anstatt mein eigenes Kind zu opfern. Was meinen Sie? Was hätten Sie gemacht? Finden Sie so etwas gerecht oder sinnvoll?

Übrigens, es gibt wirklich religiöse Menschen, die aktiv und bewusst am Weltuntergang arbeiten, um das Erscheinen des Messias zu beschleunigen. Wahnsinn, nicht wahr?! Natürlich damit wir hinterher das Paradies auf Erden haben. Logisch?!

Während viele Menschen auf den nächsten Zeitpunkt eines eventuellen Weltuntergangs warten, warte ich darauf, dass mehr und mehr Menschen erwachsen werden, die Verantwortung selbst in die Hand nehmen und anfangen, die Dinge zum Positiven hin zu verändern. Denn irgendwann ist es wirklich einmal zu spät und sehr wahrscheinlich kommt dann keiner, – weder Jesus noch Superman und auch keine Außerirdischen.

„Wir sind die, auf die wir schon immer gewartet haben!“ lautet eine Sprichwort.

In diesem Sinne – machen Sie das Beste aus unserem Leben!

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Wenn der Leidensdruck fehlt…

dann geht in der Regel gar nichts!

Die Sache mit dem Leidensdruck ist ein Phänomen, was wir sicherlich alle kennen. Oft verhalten wir uns dabei für Außenstehende recht seltsam.

Vielleicht kennen Sie das beispielsweise von (Ihren) Kindern: Im Kinderzimmer herrscht das reinste Chaos, aber das Kind will nicht aufräumen. Der Boden liegt voll mit irgendwelchen Spielsachen. Ständig muss man aufpassen, dass man nirgendswo drauftritt, ausrutscht oder von etwas erschlagen wird. Selbst Schreibtisch und Bett sind voll von Gerümpel. Doch dem Kind ist es egal. Es schnallt sich sogar schon Kissen unter die Füße, damit es sich nicht beim Laufen im Zimmer verletzt. Es nimmt auch in Kauf, dass vor lauter Spielsachen kaum noch Platz zum Schlafen ist. Die Eltern stehen schon kurz vor dem Nervenzusammenbruch und haben schon fast alles versucht, um ihr Kind zum Aufräumen zu bewegen. Aber auch das ist dem Kind egal. Das Kind hat weder eine positive Motivation aufzuräumen, noch empfindet es einen Leidensdruck, der es dazu bewegt Ordnung zu schaffen. Wo keine eigene oder fremd induzierte Motivation vorhanden ist, da tut sich rein gar nichts und alles bleibt so wie es ist. Nun können die Eltern mit einer „Strafe“ drohen „Wenn Du Dein Zimmer nicht aufräumst, dann fällt der Kinobesuch für Dich aus!“ – was einen solchen Leidensdruck  erzeugt, dass das Kind aufräumt oder die Eltern können mit einer Belohnung die Motivation steigern endlich aufzuräumen „Wenn Du regelmäßig Dein Zimmer aufräumst, bekommst Du 10 Euro mehr Taschengeld pro Monat.“ Beides funktioniert in einem gewissen Rahmen, auch gekoppelt.

Nun bei Kindern mag das noch relativ einfach sein, – bei Erwachsenen wird es da deutlich schwieriger bis nahezu aussichtslos. „Drohungen“, „Strafen“ und „Belohnungen“ sind hier fast gar nicht umsetzbar und der Verstand weiß wohl, dass eine gewisse Verhaltensweise schlecht ist oder nicht funktioniert, aber das wird aus welchen Gründen auch immer in Kauf genommen. Ich spreche hier von Problemen, problematischem Verhalten und von Krankheiten, die nur deshalb bestehen, weil der Betroffene keine positive Motivation hat wirklich etwas zu ändern und auch keinen Leidensdruck fühlt, der ihn förmlich dazu zwingt etwas im Verhalten, im Denken zu verändern.

Rauchen, zuviel Alkohol, Übergewicht, zuviel Süßigkeiten, zuwenig Bewegung, Aufschieberitis, Unzuverlässigkeit, immer die gleichen Fehler machen, immer herumtrödeln, Bedürfnisse/Wünsche der Mitmenschen ignorieren, egozentrisches Verhalten, usw. Es sind die eigenen Laster, die eigenen schlechten Angewohnheiten, die einem selbst das Leben schwer machen und auch den Menschen, mit denen man lebt und arbeitet. Da wird dann alles erduldet, ertragen und vermieden – Hauptsache man kann sein Laster beibehalten. Auch wenn Liebe oder Freundschaft auf dem Spiel stehen oder der Job „Ich bleib so wie ich bin, alles andere ist mir egal!“ Man könnte das auch als „uneinsichtiges Verhalten“ oder „dysfunktionale Denkmuster“ bezeichnen. Die Krönung ist dann, wenn man sich eine „Symptombehandlung“ ausdenkt und meint so sein Problem noch besser ignorieren zu können. Dabei gibt es auch gleich eine entsprechende Wahrnehmungsverschiebung der Realität. Beispielsweise ein starker Raucher klagt über Schmerzen im Brustkorb, kauft sich Schmerztabletten und meint „Die Schmerzen und die Probleme beim Atmen kommen bestimmt vom schlechten Wetter!“ Oder die Händer zittern nicht vom Alkoholentzug, sondern wegen Magnesiummangel. Nett ausgedrückt handelt es sich hier um reinen Selbstbetrug, der eine Heilung oder Besserung der Situation unmöglich macht. „Ich seh zwar aus wie der Tod persönlich, mir fehlt aber nix und alles ist gut!“ Ja dann kann auch keiner helfen und jede angebotene Hilfe zeigt keine Wirkung. Es fehlt schlichtweg die Einsicht in das Fehlverhalten, in die gestörte Selbstwahrnehmung.

Für Coaches und Therapeuten bedeutet dies, dass Patienten/Klienten, die nur auf einen gewissen äußeren Druck von Familie/Partner zur Sitzung kommen, nicht behandelbar sind. Wo die Einsicht in die Notwendigkeit, in den Sinn einer Veränderung fehlt, wo keine eigene Motivation vorhanden ist, wo der Leidensdruck für Veränderungen fehlt, da kann selbst der beste Therapeut oder Coach nichts machen, auch nicht mit Hypnose.

Ich persönlich finde das schrecklich, weil ich immer für positive Veränderungen bin und anderen gerne dabei helfe, aber ich habe eingesehen, dass es eben gewisse Grenzen gibt und man sie akzeptieren muss.

Manchmal kommt eine Einsicht erst, wenn alles zu spät ist. Dann gibt es keinen Leidensdruck mehr, sondern nur noch Leiden und das im großen Maß. Manchmal dauert es auch eine gefühlte Ewigkeit bis Menschen verstehen, wo das Problem liegt, – nämlich nur bei ihnen selbst und dann ist die Energie da für positive Veränderungen. Im Prinzip ist alles eine Frage der Zeit und der Leidensfähigkeit der Betroffenen und ihrer Mitmenschen. Und manchmal, da wo alle positiven, gutgemeinten Reden nicht helfen, da kommt es dann zum emotionalen Gewitter, wo kein Stein mehr auf dem anderen bleibt und alles von Wert zerstört wird, um dann aus der Asche neu erschaffen zu werden.

Wie heißt es „Wer nicht hören will, der muss fühlen!“ Das ist in gewisser Hinsicht ein Naturgesetz.

Für uns Coaches und Therapeuten bedeutet das alles, dass wir in solchen Fällen erst gar nicht eine Therapie/Behandlung versuchen brauchen, da sie reine Zeitverschwendung ist.

„Wer nicht will, der hat schon bzw. braucht nichts!“

Für Sie, lieber Leser, bedeutet es, falls Sie irgendein Problem haben, wo Sie alles tun, um es zu behalten, es zu schützen, zu rechtfertigen, wo Sie jegliche positive Veränderung vermeiden, ignorieren, abwehren – machen Sie sich bewusst, dass das nie eine Lösung sein kann und alles zwangsläufig in einer Art von Katastrophe enden muss. Je eher Sie an Ihren Problemen arbeiten, desto schneller können Sie ein glücklicheres, erfolgreicheres Leben führen. Heutzutage gibt es sehr viele gute Möglichkeiten, um Probleme gut zu bewältigen. Keiner muss mehr leidern als er will.

Machen Sie lieber und stets das Beste aus Ihrem Leben! Warten Sie nicht länger und schon gar nicht auf einen wachsenden Leidensdruck oder die große Katastrophe!

Ich wünsche Ihnen – wie immer – das Beste!

Ihr Hypno-Coach

Falco Wisskirchen

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